"Hab mich bisschen hingelegt"

23. Dezember 2002, 19:11
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Namenlos und ohne Sinn spielt der Alltag Ringelreih - auch wenn schon längst obsolet ... "Der Name" auf der Probebühne des Schauspielhaus Graz

Wenn die Außenwelt nur auf Zehenspitzen sichtbar wird, dreht sich alles um Arbeit, Essen, Schlafen und Schmerzen. Da genügen wenige Worte, um das Leben zu beschreiben. Selbst wenn die Tochter überraschend ins traute Heim zurückkehrt, mit Kind im Bauch und dessen Zeuger in Zweckgemeinschaft, tun sich keine neuen Fenster auf.

Ist Beate also heute nach Hause gekommen

Jon Fosses mehrfach ausgezeichnetes Stück "Der Name" erzeugt auf der Probebühne des Schauspielhaus Graz genau die Atmosphäre, wegen der wir uns vor Weihnachten fürchten. Auch wenn bereits alles gesagt ist, wurde noch gar nichts angesprochen. Floskeln halten die tägliche Routine im Zaun, selbst wenn sich schon alles verändert hat. Denn: wandeln wird sich nichts.

Nicht klar scheint warum, ob aus Gleichgültigkeit, Ignoranz oder Überforderung. Und immer weiter dreht sich der Alltag, wird kaum aus seinem Winterschlaf gerissen. Selbst alte Erinnerungen an scheinbar traumatische Ereignisse brauchen gar nicht erst zur Sprache gebracht werden.

Trolle im Unterholz

Genauso klug versteckt - zwar sicht-, aber übersehbar - wie die Trolle auf Isabel Grafs Bühne, sind die relevanten Momente des Lebens. So familiär wie der "Spannteppich", so kühl wie die weißen Wände, so hinter Glas versteckt wie die Kindheitsfotos, so spürbar fehl am Platz ist das traute Elternhaus.

Und so plötzlich wie das junge Paar, taucht auch der Jugendfreund auf. Der zwar die erste Hoffnung auf Wärme und Nähe enstehen lässt, die er aber mit Cowboy-Boots und "Hand-am-Busen" gleich wieder vom Tisch fegt. Oder doch nicht? Oder schon? Da hätte ein wenig Schärfe in der Ausformulierung nicht geschadet.

Weißt du wie er heißt?

So kann ja alles namenlos bleiben, unbenannt und unberührt. Das Kind, der Vater des Kindes, die Zukunft ... Wer sich jetzt schon vor den Spritzkerzen fürchtet, sollte lieber zu Hause bleiben. Nur wo könnte das sein?

Der Name

Inszenierung Stephan Lohse

Bühne/Kostüm Isabel Graf

SchauspielerInnen Julia Kreusch (Das Mädchen), Gerti Pall (Die Mutter), Ninja Reichert (Die Schwester), Dietrich Schlederer (Der Vater), Dominik Warta (Bjarne/Jugendfreund), Alexander Weise (Der Junge)

Wärmstens empfohlen ... (e_mu)

  • Das traute Heim als 15m²-Wortschatztruhe: Julia Kreusch, Ninja Reichert und Alexander Weise
    manninger
    Das traute Heim als 15m²-Wortschatztruhe: Julia Kreusch, Ninja Reichert und Alexander Weise
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