Das Märchen von der Rattenplage

17. Dezember 2002, 13:57
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Population kleiner als bisher angenommen - Stadt Salzburg stellt Bekämpfung mit Gift ein

Salzburg - Die Stadt Salzburg stellt die flächendeckende Bekämpfung von Ratten mit Gift ein. Basis der Entscheidung ist eine österreichweit erstmals durchgeführte Studie der Universität Salzburg.

Diese hat bestätigt: Von einer "Rattenplage" kann keine Rede sein. Die bisherige Annahme, dass auf jeden Einwohner einer größeren Stadt eine Ratte kommt, sei Unsinn. Tatsächlich liege die Größe der Rattenpopulation weit darunter, heißt es in der vom Zoologen Günther Bernatzky erstellten Untersuchung.

Die Wanderratte oder Rattus norvegicus, wie die städtischen Mitbewohner wissenschaftlich heißen, finde nur in naturnahen Gewässern mit dichtem Uferbewuchs ideale Lebensbedingungen. Eine Verbreitung der Wanderratte über das gesamte Stadtgebiet sei nicht gegeben, die Tiere kämen nur "geklumpt" vor.

In der Innenstadt etwa gebe es so gut wie keine Ratten mehr. "Die sehr guten hygienischen Zustände, die funktionierende Müllabfuhr und die ständige Sauberhaltung der Straßen und Plätze hat sicher in erheblichem Maße zu diesem Zustand beigetragen", heißt es in der Expertise. Auch die Annahme, dass im Zuge der vermehrten Eigenkompostierung mehr Ratten auftreten würden, habe sich als haltlos erwiesen.

Mäuse in Fallen

Wie viele von den als Krankheitsüberträger verrufenen Tieren nun in der Stadt Salzburg tatsächlich leben, kann Bernatzky nicht sagen: Eine verlässliche Zahl anzugeben sei nicht möglich, da die Tiere nur bestimmte Biotope bewohnen. An manchen Plätzen konnten erst gar nicht genug Ratten gefangen werden, um eine Berechnung der Population durchführen zu können. Detail am Rande: Statt Ratten tappten an fast allen Fangplätzen verschiedene Mäusearten in die 145 Fallen.

"Es ist endlich Schluss mit dem Unsinn, an private Haushalte Rattengift zu verteilen", kommentiert Stadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) den Verzicht auf die "ökologisch bedenkliche Giftkeule."

Die vorsorgliche Giftauslegung wird in der Landeshauptstadt sei 1991 praktiziert. In Hinkunft soll aber nur mehr bei "hot spots" - also wirklich problematischen Rattenpopulationen - mit Gift vorgegangen werden. (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe 17.12.2002)

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