Von Alarmplänen und flutdichten Fenstern

17. Dezember 2002, 18:33
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Unwetterschäden sollen in Zukunft niedriger ausfallen - In Wien kündigte Rechtsanwalt Georg Zanger Klagen gegen die Republik an...

Tulln/Wien - Das flutgeprüfte Kamptal biete für effektiven Hochwasserschutz eigentlich ganz gute geografische Voraussetzungen. Bessere zumindest als das Schwarzatal im voralpinen Süden Niederösterreichs, meint Hans Peter Nachtnebel von der Wiener Universität für Bodenkultur.

Dort, wo sich "Niederschläge über 1700 Meter hohe Karstwände ins besiedelte Tal ergießen", könnten Flutwellen nur äußerst kurzfristig angekündigt werden: "Binnen weniger Stunden nur", führte der Experte bei einer von Landeshauptmannstellvertreterin Heidemaria Onodi (SP) einberufenen Hochwassertagung am Montag aus. Während entlang des Waldviertler Hauptflusses, der durch weniger abschüssiges Gelände verlaufe, zumindest "ein halber Tag Vorwarnzeit" drin sei.

Diese Zeitspanne könne gut genutzt werden. Wenn es entsprechende Vorkehrungen gebe. Alarmpläne etwa, die nicht nur innerhalb, sondern auch zwischen den Gemeinden abgestimmt seien. Ebenso bauliche Vorrichtungen: Rückstauklappen in Hauskanälen gegen Überflutungen aus dem Kanalnetz, wasserdichte Kellerfenster und mobile Schutztüren für Häuser.

"Erheblicher Handlungsbedarf" bestehe in diesen Dingen in Niederösterreich, meinte Onodi und kündigte unter anderem die Herausgabe einer Broschüre für den Einzelschutz an. Vor allem - so Nachtnebel - in den "nur teilgeschützten" Regionen des Landes: Hinter Dämmen, die "immer einmal zu niedrig sein könnten", sei aber auch "sensible Gefahrenzonenplanung" angesagt.

Vor Musterklagen

Mit der juristischen Seite der Hochwasserschäden befasst sich der Wiener Rechtsanwalt Georg Zanger. Er kündigte eine Pressekonferenz in Steyr an, wo er am Donnerstag drei Musterklagen gegen die Republik und Kraftwerksbetreiber präsentieren will.

Auch mit der Austrian Hydro Power (vormals Verbund) kreuzt Zanger die rechtlichen Klingen. Wie berichtet, vertritt er die oberösterreichische Gemeinde Steyregg. Dort ist man der Meinung, durch ein nicht geräumtes Entlastungsgerinne des Donaukraftwerkes Abwinden/Asten höhere Flutschäden als nötig erlitten zu haben. Die Beweissicherung läuft derzeit. (bri, moe, DER STANDASRD Printausgabe 17.12.2002)

158 Millionen Euro an Hilfsgeldern hat die Augustflut das Land Niederösterreich bisher gekostet. Am Montag trafen einander in Tulln Experten: auf dass Schäden in Zukunft niedriger ausfallen. In Wien kündigte Rechtsanwalt Georg Zanger Klagen gegen die Republik an.
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