Liberaler Demokrat mit österreichischen Wurzeln: Senator John Kerry

16. Dezember 2002, 20:43
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Ein Senator, der George Bush entthronen will

Von seinen Mitarbeitern wird er hie und da als "JFK" bezeichnet, zu Recht - das sind immerhin die Initialen von John Forbes Kerry. Und der 59-jährige Senator aus Massa- chusetts, der vor kurzem als erster Demokrat ein Komitee eingesetzt hat, um seine Chancen für eine Präsidentschaftkandidatur 2004 zu sondieren, wird auch sonst gerne mit seinem Vorbild John F. Kennedy verglichen. Nicht nur der Name, auch das äußere Erscheinungsbild des 1,93 Meter großen, schlanken und silberhaarigen Kerry mit seinen scharfen Gesichtszügen scheint, wie bei Kennedy, auf irische Vorfahren hinzuweisen - und das, obwohl seine Vorfahren väterlicherseits größtenteils aus Österreich stammen. Wie Kennedy ist auch Kerry katholisch.

John Kerry wurde 1943 in Denver, Colorado, geboren, wo sein Vater, später ein hochrangiger Beamter des US-Außenministeriums, als Soldat stationiert war. Seine Mutter kam aus der ehrwürdigen Forbes-Familie. Kerry besuchte elitäre Privatschulen und später die prestigereiche Yale University. Danach trat er in die Marine ein und ging nach Vietnam, wo er drei Verwundungen erlitt und etliche Auszeichnungen erhielt. 1971 gründete er die "Vietnam Veterans against the War" und wurde als Kriegsgegner über Nacht zum Medienstar. 1982 wurde er Vizegouverneur von Massachusetts und gewann 1984 die Wahl zum "Junior Senator" seines Heimatstaates ("Senior Senator" war und ist Ted Kennedy). Seither wurde er dreimal mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt.

Kerry gilt als liberaler Demokrat. Er spricht sich für mehr Kontrolle bei Schusswaffen aus, befürwortet das Recht der Frau auf Abtreibung, plädiert für schärfere Umweltgesetze und ist gegen die Todesstrafe. Im Herbst sprach er sich vehement gegen einen unilateralen Einsatz gegen den Irak aus, stimmte letztendlich jedoch mit vielen seiner Parteikollegen für die Irak-Resolution von George W. Bush. Wirtschaftlich will Kerry die von Bush vorgeschlagenen Steuersenkungen auf keinen Fall realisieren.

1982 trennte er sich von seiner damaligen Frau Julia und heiratete 1995 die Witwe von John Heinz, dem millionenschweren Erben der Ketchup-Dynastie. Kerry will allerdings vom Vermögen seiner Frau Teresa, das auf eine halbe Milliarde Dollar geschätzt wird, während eines möglichen Wahlkampfes 2004 keinen Gebrauch machen.

Privat ist Kerry eng mit dem republikanischen Senator und erfolglosen Präsidentschaftskandidaten John McCain befreundet, der wie er in Vietnam diente und schwer verletzt wurde. Manche von Kerrys Anhängern hoffen, dass der manchmal arrogant und sehr aristokratisch wirkende Senator sich ein wenig von McCains natürlicher Direktheit und Volksnähe abschauen wird. (Susi Schneider/DER STANDARD, Printausgabe, 17.12.2002)

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