Langes Leben, langes Theater

17. Dezember 2002, 22:34
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"The Cole Porter Story" an der Wiener Kammeroper

Das Bühnenbild: oh wie wunderbar. Glatte, dunkelbraune Holztäfelungen allüberall, eine Bar, im Boden halb versenkte weiße Ledersessel, vor den großen Fenstern hinten weiße Vorhänge. So, ganz genau so, stellte man sich vor, muss der Chairman von PanAmerican Airlines gewohnt haben, in den frühen Sechzigern, in New York, als Moderne und Zukunft noch Synonyme für Beglückung und Verheißung waren.

Wohnen tut in Cordelia Matthes' fashionablem Ding natürlich Cole Porter. Der aber ist alles andere als glücklich, weil alt, vereinsamt, alkoholkrank und beinamputiert. Ein Stab an Betreuern kümmert sich tänzelnd und singend um seine marode Physis und das lädierte Künstlergemüt.

Ja: Das von Erik Gedeon verfasste Libretto ist einigermaßen grässlich, zuweilen etwas wirr. Gerhard Tötschinger inszenierte die musikalische Komödie The Cole Porter Story präzise, das fünfköpfige Ensemble agiert und singt schwungvoll-solide. René Rumpold gibt den nervenzusammenbrechenden alternden Gay stilsicher, facettenreich sowie mit Mut zum Outrieren. Die Sieben-Mann-Kombo unter der Leitung von Michael Schnack spielte etwas laut, aber sicher; das Stück gehört gekürzt, um etwa ein Viertel. (end / DER STANDARD, Printausgabe, 18.12.2002)

Kammeroper,
1., Fleischmarkt 24,
Karten: (01) 512 01 00-77.
Bis Ende Jänner 2003.
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