Gesundheit als Anlageform von morgen

20. Dezember 2002, 12:08
posten

Wer die Vitalität seiner Mitarbeiter fördert, gewinnt motivierte und loyale Arbeitskräfte. Nicht nur Banken setzen auf nachhaltige Gesundheitsmaßnahmen, auch Versicherungen reagieren auf den betrieblichen Wellness-Boom.

Rationalisierungswellen und Aufnahmestopps: Viele Unternehmen sind in den letzten Monaten mit diesen Maßnahmen "gesundgeschrumpft" worden. Die Frage, die sich stellt: Wie gesund sind die "verbliebenen" Mitarbeiter und Manager?

"Die Burnout-Raten sind durch die latente Angst vor einem Jobverlust rasant gestiegen. Betroffen sind meist Mitarbeiter, die über einen langen Zeitraum unter Leistungsdruck stehen und mit viel Engagement ihrer Aufgabe nachgehen", erklärt Herbert Schober, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Conecta.

Zwar kann in Zeiten des permanenten Wandels kein Unternehmen mehr Jobgarantien abgeben, wohl aber mit zahlreichen Maßnahmen das Wohl der Belegschaft steigern.

Bank Austria Creditanstalt beispielsweise bietet seinen Mitarbeitern neben flexiblen Arbeitszeitmodellen und betriebseigenen Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die sich mit den Bank-Öffnungszeiten decken, auch ein mit Jahresbeginn vergrößertes, bankeigenes Gesundheitszentrum.

Großzügiges Angebot

Die Service-Palette reicht von Leistungen wie Gesundenuntersuchungen, physikalischen Therapien, Yoga bis zu Fitnesscenter und Krisenberatung. Unter dem Motto "für jeden investierten Euro kommen zwei zurück" lässt das Unternehmen jährlich zwei Mio. € in die Gesundheit seiner Mitarbeiter fließen. "Es liegt im Interesse des Konzerns, dass die Mitarbeiter Gesundheitsbewusstsein entwickeln", erklärt Bernhard Schwarz, ärztlicher Leiter des Zentrums. In der Freizeit wird der kostenlose Besuch des Fitnesscenters sowie die Teilnahme an Entspannungsübungen wie Yoga oder Tai Chi angeboten. Die Dienste der arbeitsmedizinischen und physikalischen Ambulanzen können österreichweit 11.500, in Wien 8500 Mitarbeiter während der Arbeitszeit und ebenfalls gebührenfrei in Anspruch nehmen. Selbst für seltene Akutfälle ist gesorgt: "Nach Überfällen beispielsweise werden die Betroffenen sofort ganzheitlich betreut", so Schwarz.

Vorsorgeuntersuchung

Auch bei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) wird Vitalität gefördert: Neben einem firmeneigenen Sportplatz, der unter anderem Schwimmbad und Tennisplätze bereithält, werden regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durch den Betriebsarzt angeboten. Für ausgewogene Mahlzeiten sorgt die Kantine, die täglich ein ernährungswissenschaftlich ausgeklügeltes Menü kocht.

"Unabhängig davon haben wir bei unserer Führungskräfte- und Nachwuchs-Ausbildung einen Fokus auf die Gesundheit gesetzt und arbeiten unter anderem mit dem Unternehmen Willi Dungl zusammen", konstatiert Vorstandsdirektor Peter Zöllner, der selbst im November am New York Marathon teilnahm.

Auf den betrieblichen Wellness-Boom haben auch Versicherungen mit eigens für Unternehmen geschnürten Gesundheitsvorsorge-Paketen reagiert. Die Merkur-Versicherung etwa entsendet pädagogisch geschulte Fachkräfte zu ihren Kunden und verspricht, dass deren Mitarbeiter gleich an Ort und Stelle von Kopf bis Fuß untersucht werden. Zur Entspannung werden Massagen bis zu Antistress-Tests geboten. Stress sei der größte Feind der persönlichen Gesundheit, so Schober; um dem entgegenzuwirken, müsse man Körpersignale erkennen lernen und sich ein individuelles Lernprogramm in kleinen Schritten erstellen.

"In enervierenden Situationen tief durchatmen, sich mit Kleinigkeiten belohnen und ein Büroschlaf zwischendurch halten fit", so Schober. Doch klar sei, dass bei massiveren Problemen, die sich über einen längeren Zeitraum angehäuft haben, eine andere Art von Hilfe benötigt wird. Hier rät er zu lösungsorientiertem Coaching. "Klienten lernen, nicht ständig nach dem Warum zu fragen, sondern was sie tun müssen, um sich in Zukunft besser zu fühlen und gesund zu bleiben", erklärt Schober. (Silvia Stefan/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.12.2002)

  • Artikelbild
    foto: photodisc
Share if you care.