Eizenstat-Buch über Nazizeit erregt Schweizer Gemüter

16. Dezember 2002, 11:50
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Umschlagbild mit Goldbarren in Hakenkreuz-Form als "Verunglimpfung" der Schweizer Fahne aufgefasst

Bern/Zürich - Ein Buch des früheren US-Staatssekretärs Stuart Eizenstat über die Aufarbeitung der Nazizeit hat am Wochenende in der Schweiz eine Welle der Empörung ausgelöst. Die Schweiz prüft rechtliche Schritte gegen die Publikation, weil auf dem Umschlag die Schweizer Fahne "verunglimpft" werde. Die Zeitungen "Blick" und "Neue Zürcher Zeitungen" hatten in ihren Samstagsausgaben über das Buch, das im Januar in den Handel kommen soll, berichtet und die Umschlagseite abgebildet.

Darauf ist die Schweizer Fahne zu sehen, auf der Goldbarren in Form eines Hakenkreuzes liegen. Autor des Werks mit dem Titel "Imperfect Justice" (Unvollkommene Gerechtigkeit) ist der frühere Staatssekretär im US-Finanzministerium, Eizenstat. Er hatte der Schweiz 1997 in einem Regierungsbericht vorgeworfen, durch die Haltung im Zweiten Weltkrieg zur Verlängerung des Kriegs beigetragen zu haben. Zudem spielte er eine Rolle als Moderator bei den im Sommer 1998 abgeschlossenen Vergleichsverhandlungen zwischen den Schweizer Großbanken und den jüdischen Sammelklägern in den USA.

"Uannehmbar und grob beleidigend"

Außenminister Joseph Deiss zeigte sich empört über die Darstellung der Schweizer Fahne, wie sein Sprecher Livio Zanolari zu einem Bericht des "Blicks" bestätigte. Dies sei ungeheuerlich und inakzeptabel. Deiss beauftragte deshalb die Schweizer Botschaft in Washington, abzuklären, ob die Auslieferung des Buchs durch juristische Schritte gestoppt werden könne.

Der "SonntagsBlick" berichtete, dass auch Bundespräsident Kaspar Villiger die Umschlagseite als unannehmbar und grob beleidigend kritisiert habe. Politiker der Regierungsparteien sprachen in einer Umfrage der "SonntagsZeitung" von einer "Frechheit" und einem "Schlag gegen die Schweiz" und forderten eine diplomatische Intervention in den USA.

"Korrekte Umsetzung"

In Interviews des "SonntagsBlicks" und der "SonntagsZeitung" zeigte sich Eizenstat überrascht über die Reaktionen in der Schweiz. Er habe nur das Buch geschrieben, der Umschlag stamme nicht von ihm. Eizenstat räumte aber ein, von der Gestaltung gewusst zu haben. Er habe darin lediglich die korrekte Umsetzung der Tatsache gesehen, dass die Schweizerische Nationalbank die wichtigste Empfängerin für Raubgold gewesen sei. Er habe weder die Schweizer Landesfahne noch die Schweiz beleidigen wollen, sagte Eizenstat. (APA/AP)

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