Die "Herberge" in Innsbrucks Jesuitenkirche

17. Dezember 2002, 10:10
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"Herbergssuche für Flüchtlinge" zeigt Wirkung: Drei Flüchtlinge konnten Schubhaft verlassen - Organisatoren weiterhin auf der Suche nach Wohnraum

Innsbruck - Am ersten Tag bereits hat sich die Aktion als sinnvoll erwiesen. Montagvormittag konnten drei Flüchtlinge aus der Schubhaft entlassen werden, nachdem die Initiatoren den soeben adaptierten Kirchenraum als "Herberge" anbieten konnten. Wie berichtet, stellen die Jesuiten auf Initiative von NGOs die frühere Lesestube der Kirche am Karl-Rahner-Platz in Innsbruck für eine Woche als Notquartier zur Verfügung.

Noch am Freitag hatte Tirols Flüchtlingskoordinator Peter Logar behauptet, es gäbe "de facto keine obdachlosen Flüchtlinge in Tirol", und die Aktion für nicht notwendig erachtet. Am Montag, nachdem inzwischen auch Landesrätin Christa Gangl (SP) die breit unterstützte Initiative begrüßt hatte, sagte Logar zum STANDARD: "Bedarf gibt's immer." Konkret: "30 Plätze werden wir schon brauchen."

Die NGOs gehen von deutlich höherem Bedarf aus. "Es gibt keine genauen Zahlen. Aber alle Beratungsstellen sind mit dem Problem konfrontiert", sagt Verena Schlichtmeier von der arge schubhaft. Asylwerber würden unter prekärsten Bedingungen wohnen: notdürftig bei Bekannten, in Waggons "oder buchstäblich auf der Straße". Die Notversorgung sei nicht für alle gewährleistet.

Mit der Aktion wird an Betreiber von Gasthäusern, Verantwortliche von öffentlichen Gebäuden, kirchliche Einrichtungen und Bildungshäusern appelliert, Wohnraum zur Verfügung zu stellen ([TEL] 0512/ 57 23 43). "Wir haben uns dazu entschlossen, da andere Versuche scheiterten."

Die Beratungsstelle für Arbeits- und Wohnungssuchende, "Dowas", ist heuer von 160 Asylwerbern kontaktiert worden, sagt Stefan Schnegg. Um 117 Prozent mehr als vergangenes Jahr. Elf davon waren unbegleitete Minderjährige. Es gäbe weder ausreichende psychosoziale noch rechtliche Beratung.

Konflikte gibt es im angrenzenden Akademischen Gymnasium. Direktor Roman Nell hatte zugesagt, dass die Flüchtlinge außerhalb der Unterrichtszeit die Duschen benützen können. Der Obmann des Elternverbandes, Peter Brühwasser, fordert eine hygienische Reinigung nach jeder Benützung und droht mit Amtshaftungsklage, da der Schulerhalter nicht gefragt worden sei. Brühwasser, von Beruf Leiter des Sozialamtes, hat sich zuletzt für die Abschaffung der Sozialhilfe für Ausländer ausgesprochen.

(DERSTANDARD, Printausgabe, 17.12.2002)

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    montage: derstandard.at
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