Zustimmung zum EU-Beitritt gesunken

15. Dezember 2002, 20:07
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Stärkster Rückgang in Tschechien und Polen

Brüssel/Wien - Wie sich der positive Abschluss des Kopenhagener EU-Erweiterungsgipfels auf die Einstellung der Bürger in den zehn Kandidatenländern auswirkt, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Da sich die Verhandlungsergebnisse im Rahmen des Erwarteten bewegen, dürfte sich aber nicht viel an der Stimmungslage ändern. Und hier zeigte sich in den drei größten Beitrittsländern zuletzt eine deutliche Abnahme der Zustimmung.

Nach einer von der Central European Opinion Research Group (CEORG) zwischen Anfang November und Anfang Dezember 2002 durchgeführten Umfrage in Polen, der Tschechischen Republik und Ungarn (Sample jeweils rund 1000) wollen zwar mehr Bürger als bisher an den Beitrittsreferenden teilnehmen, nämlich jeweils deutlich über 70 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil derer, die mit Ja stimmen wollen, aber teilweise dramatisch gesunken.

Am auffälligsten ist die Veränderung in Tschechien: Dort wollen 77,4 Prozent am Referendum teilnehmen (Mai 2002: 63 Prozent), aber nur noch 51,1 Prozent mit Ja stimmen (Mai: 63 Prozent). Der Zuwachs bei jenen, die abstimmen wollen, rekrutiert sich somit hauptsächlich aus dem Anti-EU-Lager. Ebenfalls sehr stark gesunken ist die Befürwortung eines EU-Beitritts in Ungarn: um 9,2 Prozentpunkte auf immerhin noch 75,1 Prozent.

Relativ gering dagegen der Rückgang der Zustimmungsrate in Polen: um 1,6 Prozentpunkte auf 73,5 Prozent. Beim Ja zur EU weist Polen das größte Stadt-Land-Gefälle auf: zwischen bis zu 83,8 Prozent in Städten und nur 27,5 Prozent in ländlichen Regionen.

In absoluten Zahlen, aber nicht tendenziell unterscheiden sich die Ergebnisse der CEORG-Umfrage teils deutlich vom Mitte November veröffentlichten "Eurobarometer" der EU-Kommission (Umfragezeitraum September/Oktober 2002). Im Eurobarometer war der Anteil der Unentschlossenen noch deutlich höher. (DERSTANDARD, Printausgabe, 16.12.2002)

Josef Kirchengast
  • Die Grafik gibt für Polen, Tschechien und Ungarn die CEORG-Zahlen wieder, für die übrigen Kandidatenländer das Eurobarometer (Zum Vergrößern)
    grafik: derstandard

    Die Grafik gibt für Polen, Tschechien und Ungarn die CEORG-Zahlen wieder, für die übrigen Kandidatenländer das Eurobarometer (Zum Vergrößern)

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