"...dafür aber a guats Papperl"

    14. Dezember 2002, 12:27
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    Die im Weinort Sooß beginnende Tour ist eine typische Wienerwald-Wanderung, bei der man mit dem Sooßer Lindkogel - einem Vorberg des bekannten Eisernen Tores, vulgo Hoher Lindkogel - auch einen Gipfel mitnehmen kann.

    Im Gastraum der gemütlichen Vöslauer Hütte auf dem Mariazeller Zwickel im südlichen Wienerwald hängt ein Schild "Wir haben ka Hauben und ka Kapperl, dafür aber a guats Papperl", womit die Wirtsleute auf ihre vorzügliche Küche hinweisen. Sie übertreiben nicht, vor allem das Steirische Wurzelfleisch wäre Anlass genug, eine Runde über die Vöslauer Hütte zu wählen.

    Die im Weinort Sooß beginnende Tour ist eine typische Wienerwald-Wanderung, bei der man mit dem Sooßer Lindkogel – einem Vorberg des bekannten Eisernen Tores, vulgo Hoher Lindkogel – auch einen Gipfel mitnehmen kann. Von der bewaldeten Erhebung hat man zwar keine Aussicht, wohl aber von einigen am Abstieg liegenden freien Flächen.

    Mitunter findet man in der Literatur Hinweise, der Mariazeller Zwickel verdanke seinen Namen einem nahe der Hütte liegenden Platz, von dem aus man den Ötscher sehen könne. Das stimmt nicht. Das Gebiete gehörte einst zu dem von Kaiser Joseph II. aufgelösten Kloster Kleinmariazell, das früher einmal "Mariazell in Österreich" – im Gegensatz zu dem berühmten Wallfahrtsort in der Steiermark – hieß.

    Beim Abstieg in das Gradental kommt man an einer kleinen Unterstandshütte vorbei, in der eine Ausstellung über die Harzgewinnung untergebracht ist. Das Pechen hatte einst in diesem Gebiet große wirtschaftliche Bedeutung.

    Im Frühjahr findet man im Bereich des Langen Grabens viele Küchenschellen, die aber unter Naturschutz stehen und daher nicht gepflückt werden dürfen. – Die Runde bietet keinerlei Schwierigkeiten, alle Wege sind gut markiert und beschildert.

    Die Tour:

    In Sooß wandert man auf der Hauptstraße nach Westen an den Waldrand, wo man auf die gelbe Markierung trifft, die durch den Langen Graben zum Manhartsberg und dann auf den Sooßer Lindkogel führt. Gehzeit 1½ Stunden. Man kehrt ein kurzes Stück zurück und folgt dann nach rechts den gelben Marken zur Vöslauer Hütte. Ab Sooßer Lindkogel eine halbe Stunde.

    Grün und dann blau ist der Abstieg in das Gradental markiert, welches man bis zur Waldandacht durchwandert. Dort hält man sich links (rote Markierung) und gelangt am Rande der Weingärten – mit der bekannten Reblausburg – zurück nach Sooß. Gehzeit ab Vöslauer Hütte 1½. Stunden.

    Gesamtgehzeit 3½ Stunden, Höhendifferenz etwa 500 m.
    Vöslauer Hütte und Gasthaus Waldandacht (beide Montag Ruhetag).
    Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000,
    Blatt 76 (Wr. Neustadt),
    Freytag & Berndt Wienerwald-Atlas, 1:50.000

    (DER STANDARD, Printausgabe vom 14./15.12.2002)

    Bernd Orfer
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