Lange Wartezeiten am Schalter

15. Dezember 2002, 19:26
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Die Deutsche Bahn stellt ihr Tarifsystem völlig um - Kritik an der Preisgestaltung

Berlin - Wer am Sonntag in Deutschland mit dem Zug fahren wollte und noch keine Fahrkarte hatte, brauchte vor allem Geduld. Bei den größeren Bahnhöfen in Berlin wie dem Ostbahnhof betrugen die Wartezeiten am Vormittag zwischen 30 und 40 Minuten. Während sich viele Bahnkunden erzürnt über die langen Wartezeiten äußerten, klappte nach Angaben der Deutschen Bahn die Umstellung auf das neue Preissystem, das am Sonntag in Kraft trat, reibungslos.

Die Bahnreisenden in Deutschland müssen sich auf eine völlig neue Struktur einstellen. Durch die neue Preisgestaltung reisen Frühbucher, Fahrgemeinschaften und Familien billiger. Wer eine Woche vor Fahrtantritt bucht und sich auf einen Zug festlegt, kann bis zu 40 Prozent Rabatt zum Normalpreis bekommen. Je weiter man fährt, desto günstiger wird auch der Preis. Kinder bis 14 Jahre fahren gratis. Für Bahncard-Inhaber gibt es aber nur noch 25 statt 50 Prozent Ermäßigung.

Deutsche überwiegend kritisch

Die Stiftung Warentest stellte dem neuen Preissystem aber ein schlechtes Zeugnis aus: Note "ausreichend in Richtung befriedigend". Die Fahrgästeverbände kritisieren vor allem hohe Umbuchungs-und Erstattungsgebühren. Auch die meisten Deutschen beurteilen die Umstellung laut Umfragen negativ. Nur 19 Prozent erwarten dadurch Vorteile.

Aber seit dem Start des Vorverkaufs am 1. November stürmen die Kunden die Bahnschalter. In den ersten sechs Wochen setzte die Deutsche Bahn 1,3 Millionen Reisen ab. Bahnchef Hartmut Mehdorn erhofft mit der neuen Preisgestaltung mehr Kunden und eine Verbesserung der Auslastung der Züge von derzeit 40 auf 60 Prozent im Jahr 2010. (afs, Der Standard, Printausgabe, 16.12.2002)

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    Ein Bahnreisender sucht am Sonntag im Dortmunder Hauptbahnhof auf einem Fahrplan nach seiner Zugverbindung

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