Experte Theodor Tomandl leitet die Pensionsreform-kommission

13. Dezember 2002, 20:29
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Zweite Karriere als Aufreger in Pensionsfragen

Er hat für sich verwirklicht, was er von den anderen fordert: länger arbeiten. Mit 69 Jahren, einem Alter, in dem der Durchschnittsösterreicher längst den Ruhestand genießt, arbeitet Theodor Tomandl immer noch: Der emeritierte Uni-Professor für Sozialrecht denkt im Auftrag der Regierung über die Zukunft des Pensionssystems nach.

Und er sorgt mit seinen Botschaften (länger arbeiten, weniger Pension) für Aufregung: So zog es Sozialminister Herbert Haupt vor, sich bei der Präsentation der Pensionsreformstudie nicht neben "seinen" Experten zu setzen, Tomandl allein im Ministerium referieren zu lassen - und sich von der Studie zu distanzieren. Zu unangenehm war deren Inhalt. Tomandl wird der Soloauftritt nicht gestört haben, hatte er doch alle Kameras auf sich gerichtet.

Dass der Bericht, den Tomandl als Kommissionsleiter auf 107 Seiten niedergeschrieben hat, vor allem ein Tomandl-Bericht ist, stößt bei Mitgliedern der Pensionskommission auf Protest. Auf so heftigen, dass das Kommissionsmitglied Karl Kreiter ein Gegenvotum abgegeben hat. Andere Mitglieder alterieren sich unter der Hand über Tomandls Leitung: "Der hat uns behandelt wie seine Studenten und abweichende Meinungen abgekanzelt."

Sein Faible für asiatischen Langmut, das er beim hochkomplexen Go-Spiel und mit einer Honorarprofessur an der buddhistischen Uni in Osaka auslebt, wird diese Kritik an dem begeisterten Juristen abprallen lassen. Zudem steht der zweifache Vater zur Forderung nach starken Männern - und hat mehrmals für die Zusammenlegung der Funktionen Bundespräsident und Bundeskanzler plädiert.

Starke Männer, wohlgemerkt. Für Frauen hat Tomandl weniger übrig - die sieht er im Sozialversicherungssystem als "bevorzugt" an. Und hat das auf einer Tagung der Männerabteilung so ausgeführt: "Arbeitslosigkeit bedeutet für Männer einen einschneidenderen Eingriff. Können sich doch arbeitslose Frauen in den ihnen gewohnten Bereich Haushalt zurückziehen, während Männer ins Nichts fallen." Auch gegen das niedrigere Frauenpensionsalter doziert Tomandl hartnäckig an, zuletzt im Bericht.

Bevor er sich um das Pensionssystem zu sorgen begann, hat sich Tomandl immer wieder um die Zukunft der ÖVP gesorgt: Etwa die "tödliche Umklammerung durch die Landesgranden" beklagt - und das aus konservativer Verbundenheit. Tomandl ist CVer, hat seine Karriere in der Wirtschaftskammer begonnen und in der VP-Denkwerkstatt "Österreich Zukunftsreich" mitgearbeitet. Das ist aber nicht der Grund, warum das Verhältnis zwischen Tomandl und FP-Minister Haupt nicht immer ungetrübt ist: Haupt stört wohl eher, dass sich Tomandl quasi als Schattenminister sieht. Oder so agiert. (Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 14./15.12.2002)

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