Umfrage: Nur ÖVP wird bisher seriöses Verhandeln zugetraut

13. Dezember 2002, 21:08
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Die möglichen Regierungspartner der ÖVP werden als parteipolitische Taktierer gesehen - mit Grafik

Linz - Nur der ÖVP und ihrem Chefverhandler, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, wird in einer market-Umfrage zugetraut, dass die laufenden Regierungsverhandlungen "im Interesse des Landes" geführt werden - 56 Prozent attestieren der ÖVP Seriosität, nur 34 Prozent meinen, dass sie eher taktiere. Das Zutrauen in die ÖVP-Verhandlungsführung zieht sich durch alle Altersschichten und ist bei Männern und Frauen ebenfalls gleich ausgeprägt. Allerdings ist die Skepsis in höheren Bildungsschichten höher ausgeprägt, auch die erklärten SPÖ-Wähler sind überwiegend der Meinung, dass die ÖVP taktiere.

Bei allen anderen Parteien herrscht aber durchgehend (außer in der jeweils eigenen Parteiwählerschaft) die Meinung, dass die Partei vor allem parteitaktisch Überlegungen anstellt, wenn sie um die Regierung verhandelt.

"Diese Einschätzung bewegt sich für alle potenziellen Partner der ÖVP auf einem ähnlichen Niveau - die Unterschiede zwischen der Einschätzung der FPÖ und der SPÖ variieren kaum. Am ehesten fällt noch auf, dass die Grünen etwas weniger als Taktierer gesehen werden. Das könnte eine Folge der Zeitungsschlagzeilen des letzten Wochenendes sein, als überall gestanden ist, dass die Grünen jetzt ,Lust auf weitere Gespräche‘ hätten. Aber das ist ja auch nicht sehr ausgeprägt", sagt market-Studienleiter David Pfarrhofer.

der Standard ließ auch fragen, welche Koalitionsformen als "gut für Österreichs Zukunft" gesehen werden:

Eine schwarz-rote Koalition wird von 41 Prozent befürwortet. Besonders stark ist der Wunsch nach der Zusammenarbeit der Großparteien bei den erklärten SPÖ-Wählern ausgeprägt, unter der ÖVP- Wählerschaft sind die Befürworter der großen Koalition etwa so häufig wie im Bevölkerungsschnitt.

Eine Zusammenarbeit von ÖVP und Grünen wird von 16 Prozent gewünscht - relativ stark von jüngeren Befragten, von Grün-Wählern sowie von Angehörigen der höchsten Bildungsschicht. Maturanten und Akademiker können sich Schwarz-Grün ebenso gut vorstellen wie Schwarz-Rot.

Gleich stark (oder schwach) ist die Zustimmung zu Schwarz-Blau: Dafür sind 14 Prozent. Diese Variante hat unter den wenigen deklarierten FPÖ-Wählern einige Anhänger, auch unter den erklärten ÖVP-Wählern gibt es noch eine Gruppe, die am bisherigen Partner festhält.

Elf Prozent wünschen sich eine Konzentrationsregierung aller vier Parteien - eine Variante, die es auf Bundesebene bisher nur in der ersten Nachkriegszeit gegeben hat.

Acht Prozent sprechen sich schließlich für eine ÖVP- Minderheitsregierung aus.

(Conrad Seidl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14./15.12.2002)

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