"Wir sind stellvertretend unter Beschuss"

13. Dezember 2002, 17:35
17 Postings

Für ihre kommenden Bankomatgebühren wird die RLB NÖ-Wien bundesweit angeprangert - STANDARD-Interview mit Georg Kraft-Kinz, dem Vizevorstand des Instituts

STANDARD: Mit den neuen Gebühren bleibt Ihnen doch jetzt mehr als vorher?

Kraft-Kinz: Wir haben circa 20 Prozent Auslandsbehebungen, mit stark steigender Tendenz. Wir kommunizieren unseren Kunden jetzt, dass die Behebung im Ausland nun so viel kostet wie im Inland. Wir decken damit nun - ehrlich - 80 Prozent unserer Drittkosten ab, weil wir einen Mischpreis Ausland/Inland verrechnen. Wir halten am Ziel - eine verursachungsgerechte Verrechnung, nichts in Kontopaketen verstecken - fest. Natürlich ist das mediale Trommelfeuer dabei eine Belastung. Wir haben Reaktionen erwartet, aber nicht in dieser Schärfe.

STANDARD: Was sagen Sie nun verärgerten Bankkunden?

Kraft-Kinz: Wir wollen sie verstärkt zu bargeldlosem Zahlungsverkehr bringen. Das ist uns bisher nicht gelungen.

STANDARD: Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich- Wien ist die erste unter den heimischen Banken, die sich mit Bankomatgebühren rausgetraut hat. Sie fühlen sich jetzt als Prügelknabe?

Kraft-Kinz: So ist es. Wir sagen eben ehrlich und offen, dass wir diesen Preis (0,55 € für Outdoor-Bankomatbehebungen im In- und EU-Ausland, 0,30 € für Foyerbehebungen,Anm.) haben. Alle anderen Banken tun jetzt so, als würden sie über das Thema nicht nachdenken. Und das stimmt einfach nicht. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, als ordentlicher Kaufmann auf die Dauer ein Preissystem zu haben, das absolut defizitär ist. Wir sind stellvertretend für andere unter Beschuss.

STANDARD: Die Konsumentenschützer wollen nun einen Musterprozess anstrengen.

Kraft-Kinz: Wir sind in dieser Sache gut beraten, fühlen uns gewappnet. (DER STANDARD, Printausgabe 14.12.2002)

Das Gespräch führte Leo Szemeliker

Link

RLB NÖ-Wien

  • Artikelbild
    foto: montage
Share if you care.