Rollt der Ball, rollt auch die Konjunktur

13. Dezember 2002, 09:20
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Die Euro 2008 als Vademecum für die Wirtschaft: Laut IHS bringt der Bewerb mehr als 200 Millionen Euro und 6.000 neue Jobs

Wien - Es ist, nach Fußball- WM und Olympischen Spielen, das drittgrößte Sportereignis der Welt. Und weil "Sport" seit langem nicht mehr bloß die in faire Wettkampfregeln gegossene Leibesübung ist, wird die Fußball-EM 2008 auch ihren markanten Niederschlag in den Wirtschaftsdaten finden. Das Institut für Höhere Studie (IHS) hat dies unlängst mit Ziffern untermauert. Demnach steigt die EM-bedingte Wertschöpfung in Österreich um 200 bis 240 Mio. Euro, 6000 zusätzliche Arbeitsplätze seien zu erwarten.

Als erste Branche wird, so der Mitautor der Studie, IHS- Experte Christian Helmenstein, die ohnehin angeschlagene Bauwirtschaft profitieren. Vor allem durch den Aus- und Neubau von Stadien in Wien, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt. "Die EM ist hervorragend dafür geeignet, einen konjunkturstabilisierenden Effekt in der Bauwirtschaft zu erreichen." Von 2003 bis 2005 prognostiziert er rund 162 Mio. Euro an zusätzlichen Investitionen und knapp 90 Mio. Euro mehr Wertschöpfung: rund 750 zusätzliche Jobs pro Jahr.

Der größte Gewinner aber ist der Tourismus, der auf eine zusätzliche Wertschöpfung von 108 bis 152 Mio. Euro und im Jahr 2008 auf 3000 bis 4000 neue Jobs hoffen darf. Regional gesehen rechnet der IHS- Experte vor allem für die Ostregion mit wichtigen Impulsen. Positiv sei auch, dass die EM im Juni, noch vor dem Anrollen des Sommertourismus, über die Bühne gehen würde, wodurch keine unerwünschten Verdrängungseffekte zu erwarten seien.

Kaum in Zahlen auszudrücken, aber deswegen nicht weniger wichtig sind nach Meinung der Studienautoren die qualitativen Effekte der Europameisterschaft auf den Tourismus. "Sie schaffen einen starken Anreiz für Hoteliers, stärker in die Qualität zu investieren."

Auch der österreichische Finanzminister, wer immer es sein mag, darf sich freuen. Das Steueraufkommen wird sich, hauptsächlich über die Mehrwertsteuer, um 32 bis 49 Mio. Euro erhöhen. Mit Umsatzsteigerungen bei Sportwettenanbietern und stimulierenden Auswirkungen auf die Telekommunikationsanbieter ist zu rechnen. (ag, wei/DER STANDARD Print-Ausgabe, 13.12.2002)

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    montage: derstandard.at
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