Weihnachtspackerln mit schwerem Preisschild

19. Dezember 2002, 11:19
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"Man umgebe mich mit Luxus. Auf das Notwendige kann ich verzichten", forderte schon der Schriftsteller Oscar Wilde. Vom diamantbesetzten Schreibgerät bis zum teuersten Adventkalender der Welt

Luxus steigert unsere Fähigkeit zum Glück in dem Maß, wie er unsere Bedürfnisse vermehrt (Goldsmith). Diese Erkenntnis lacht in der Vorweihnachtszeit aus bunt gefüllten Schaufenstern. "Man umgebe mich mit Luxus. Auf das Notwendige kann ich verzichten", forderte schon der Schriftsteller Oscar Wilde. Einkaufswütige Christkindln mit gut gefüllter Geldtasche finden in noblen Geschäften jetzt ein breites Angebot. Am schwersten an solchen Packerln wiegt meist das Preisschild.

"Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht", gestand Wilde. Versuchung pur für gestresste Haut ist etwa der vermutlich teuerste Cremetiegel auf dem Markt. Die Kultpflege La Mer gibt es zu Weihnachten als Sonderedition in der Magnumgröße a 500 Milliliter zum Preis von 1.400 Euro (nur in ausgesuchten Parfümerien).

Um diesen Preis befindet man sich laut Hersteller in bester Gesellschaft: Prominente La Mer-Verwender seien Sharon Stone, Victoria Beckham, Heather Locklear und Brad Pitt sowie die heimischen Künstler Barbara Wussow und Udo Jürgens - reiner Luxus...

4.810 lupenreine Diamanten zieren den teuersten Montblanc Füllhalter Solitaire Royal aus massivem Gold. So viel Luxus schlägt mit 200.000 Schweizer Franken (135.556 Euro) zu Buche.

Mit Hilfe des Herstellers exklusiver Schreibgeräte können die Dagobert Ducks unter den Weihnachtsmännern ihren Liebsten schon vor dem Heiligen Abend Freude bereiten: Der teuerste Adventkalender der Welt, eine Nachbildung der Schweizer Uhrenmanufaktur Montblancs im Maßstab 1:20, kann zum Preis von einer Million Franken (677.782 Euro) bei Montblanc International bestellt werden. Klar, dass sich hinter den 24 erleuchteten Fenstern und Türen des 1,42 Meter hohen Modells "Kleinigkeiten" aus der aktuellen Kollektion verbergen.

Harte Steine für zarte Handgelenke: Das Gehäuse der neuen Damen-Uhrenlinie Reine de Naples von Breguet aus 18 Karat Weißgold glänzt mit 128 Diamanten; ein Stück für die Ewigkeit, das rund 208.000 Euro kostet. Möchte der Gentleman auf den Spuren von James Bond wandeln, kommt das nicht ganz so teuer: Die limitierte Ausgabe des Kult-Chronografen Seamaster Professional "007" ist um rund 2.080 Euro pro Stück (weltweit gibt es insgesamt nur 10.007) zu haben.

Anziehend wie sonst kaum ein Geschenk sind Designer-Roben. Für echte Haute Couture muss man tief in die Tasche greifen. Mit rund 10.000 Euro ist man etwa bei Chanel dabei, dafür ergattert man zum Beispiel ein Kostüm, das so einzigartig wie seine Trägerin sein sollte. In der Abendmode gibt es preislich nach oben hin praktisch keine Grenze; gut betuchte Damen haben schon Kleider um eine halbe Million Euro und mehr über das glatte Parkett getragen.

Etwas kleinere Geschenke mit großer Wirkung sind Accessoires zur Vervollkommnung der Wintergarderobe; besonders wenn sie von namhaften Designern stammen. Ein Schal aus dem Hause Dior ist bereits ab vergleichsweise moderaten 90 Euro zu haben (in Boutiquen und Kaufhäusern, etwa bei Steffl am Wiener Graben). Lederhandschuhe im klassischen Dior-Design dazu kommen schon auf 169 Euro. Auch Vivienne Westwood hat sich der Basics angenommen: Schal (80 Euro), Mütze (37 Euro) und Handschuhe (40 Euro) gibt es im Set.

Luxus wird als jener Aufwand definiert, der das Notwendige übersteigt. Das ist nicht nur in puncto Weihnachtspräsente ein relativer Begriff. Was für den einen lebensnotwendig erscheint, hält der andere schon für überflüssig. Jedenfalls muss nicht immer tief in die Tasche gegriffen werden: "Der Luxus unserer Tage heißt: Zeit, Ruhe, Langsamkeit", weiß Zukunftsforscher Matthias Horx.(APA/red)

"Auf das Notwendige kann ich verzichten" - Kult-Cremes, Designer-Tand,
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    montage: derstandard.at
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