Ausgeschlossener Haigermoser: Haider lauert im Hintergrund

11. Dezember 2002, 20:45
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Ex-Abgeordneter will Ausschluss nicht anfechten

Wien - Der aus der FPÖ ausgeschlossene ehemalige Abgeordnete Helmut Haigermoser fordert von der FPÖ eine inhaltliche Debatte und eine Analyse des Wahlergebnisses. Stattdessen sei die FPÖ nach dem 24. November nach dem Motto vorgegangen: "Tagesordnungspunkt 1: Ausschlüsse, Tagesordnungspunkt 2: War da was?, Tagesordnungspunkt 3: Regierungsverhandlungen", kritisiert der Politiker, der seit 1949 bis zu seinem Ausschluss vor zwei Wochen Parteimitglied war, nun in einem Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten".

Er werde den Ausschluss nicht anfechten, so Haigermoser. Doch sei die FPÖ nach wie vor seine "innerste politische Heimat", der er auch bei der Nationalratswahl treu geblieben sei. "Mir geht es darum, dass die FPÖ nicht aus der innenpolitischen Landschaft verschwindet", weil sie wichtig sei für das Land. Mache sie so weiter, würden in Österreich "bayerische Verhältnisse" mit einer - analog zur CSU - alles dominierenden ÖVP einkehren.

Für Haigermoser ist das Werben um den "kleinen Mann" die falsche Strategie, vor allem, wenn nicht dazugesagt werde, was man in der Sozialpolitik eigentlich genau wolle. "Man muss die breite Bevölkerungsschicht des Mittelstandes ansprechen", fordert Haigermoser. Diesen hätten aber "Haider und Haupt vertrieben", kritisiert er. Durch die ehemalige Parteichefin Susanne Riess-Passer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und einen "verwandelten" Klubchef Peter Westenthaler sei die FPÖ dagegen auf dem Weg zur "Festigung als Mittelpartei" gewesen.

Haigermoser traut Parteichef Herbert Haupt offenbar nicht zu, die Partei wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Er wolle diesem zwar "das redliche Bemühen nicht absprechen", erklärt er, um hinzuzufügen: "Aber Haider lauert im Hintergrund und wartet auf seine Stunde. Und Haupt hat die Stadlers und Schnells (Ewald Stadler, Volksanwalt, und Karl Schnell, Salzburger Landesparteichef, Anm.) im Genick. Die werden ihn daran hindern, die Partei zu konsolidieren."

Zum Ergebnis des Parteitages in Salzburg am vergangenen Wochenende meinte Haigermoser: "Knittelfeld setzt sich fort." Statt einer ehrlichen Diskussion sei eine Delegierte, die eine kritische Wortmeldung gewagt habe, ausgezählt worden; Gastgeber Schnell sei nichts anderes eingefallen, als Haupt Kuscheltiere zu überreichen.

Dass es in der FPÖ offenbar nicht genügend Leute gibt, die es wagen, Haider Widerstand entgegenzusetzen, führt er darauf zurück, dass schon in den vergangenen Jahren dessen "Landesstatthalter alle gemobbt haben, die anderer Meinung gewesen seien". Salzburg sei das beste Beispiel dafür: Unter Schnell seien Funktionäre reihenweise ausgeschlossen worden oder hätten sich in die (innere) Emigration zurückgezogen. Er wolle keine Rechnungen begleichen, versichert Haigermoser. Es gehe ihm darum, seine ehemaligen Parteifreunde zum Nachdenken anzuregen. RFW-Obmann und Wirtschaftskammer-Vize in Salzburg bleibe er selbstverständlich. (APA)

  • Helmut Haigermoser: "Haupt hat die Stadlers und Schnells im Genick"
    foto: standard/semotan

    Helmut Haigermoser: "Haupt hat die Stadlers und Schnells im Genick"

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