"Ma petite entreprise": Nur Solidarität ist sicher

27. Juli 2004, 12:01
1 Posting

Kleingaunerei-Komödie mit sozialem Bewusstsein: Pierre Jolivets "Ma petite entreprise" mit Vincent Lindon

Ein kleinkriminalistisches Szenario diente bereits Pierre Jolivets Fred (1997) als Vorwand, um mit wachsamen Blicken ein proletarisches Milieu zu inspizieren. Der jüngste Film des französischen Regisseurs, Ma petite entreprise, ist zwar um einiges unbeschwerter, folgt aber einer ähnlichen Logik, und wieder spielt der großartig schludrige Vincent Lindon die Hauptrolle.

Hier heißt er Ivan und ist der Tischler einer Kleinstadt, dessen Werkstatt gleich zu Beginn von einem Brand zerstört wird. In zügigem Tempo breitet der Film dann sein soziales Umfeld aus: die ambivalente Beziehung zu seiner Exfrau, ihrem Freund (Roschdy Zem), seinem Sohn und seinem Versicherungsmakler Maxime (François Berléand), um überraschend eine Wendung zu einer Art "caper-movie" zu machen.

Weil die Versicherung von Maxime nie angemeldet wurde, wird dies nun illegal nachgeholt. Der Coup wird laienhaft, beherzt und nicht ineffizient durchgeführt, inszeniert als Hindernisparcours. Der Witz besteht im Grunde darin, dass Ivan weniger sein Unternehmertum rettet, als seine Freundschaften intensiviert. Die wirtschaftliche Not wird dann zur Gelegenheit, sich untereinander solidarisch zu zeigen - als Komödienregisseur beweist Jolivet nicht nur Talent, sondern bleibt seinem sozialen Bewusstsein treu. (DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2002)

Von
Dominik Kamalzadeh

Links

bacfilms.com/ entreprise

Votivkino

  •  Vincent Lindon und François Berléand
    foto: filmladen

    Vincent Lindon und François Berléand

Share if you care.