Er stinkt, dass einem die Augen beschlagen

11. Dezember 2002, 20:00
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"Aaronstab" Helicodiceros muscivorus olfaktorisch analysiert - Duft ähnelt auch chemisch dem von tierischem Aas

London - Aus menschlicher Sicht sind einige Aaronstabsgewächse schwarze Schafe unter den Blumen. Sie durften nämlich nicht - wie sonst im Reich der Botanik üblich - sondern verströmen gar garstige Gerüche. Eine Vertreterin dieser Pflanzen - Helicodiceros muscivorus oder auf Englisch dead-horse arum - haben schwedische und italienische Wissenschafter nun unter die Lupe genommen. Der Gestank, den sie verströmen ähnelt chemisch tatsächlich dem eines toten Tieres. Auch Fliegen können die beiden Duftnoten nicht unterscheiden.

Diese Pflanzen haben die ungewöhnliche Fähigkeit entwickelt, um etwa Fleischfliegen anzulocken. In der irrigen Meinung, einen Tier-Kadaver für die Ablage ihrer Eier zu finden, fliegen sie zielstrebig in Richtung der Duftquelle. In der Blüte angekommen, finden sie aber kein Gramm verrottendes Fleisch vor, sie werden von der Blüte nur zur Bestäubung missbraucht.

Die chemische Analyse der Kadaver-Duftnote ergab, dass Helicodiceros so genannte Oligosulfide - Schwefelverbindungen - verströmt, so die Forscher in der jüngsten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift "Nature". Auch in der verrottenden Tierleiche sind diese Stoffe für den penetranten Gestank verantwortlich. Weitere Anlock-Versuche mit Fliegen ergab, dass die Insekten den echten Leichengeruch von dem künstlichen der Aronstabsgewächse praktisch nicht unterscheiden können. (APA)

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