Champions League ohne Bayern

11. Dezember 2002, 20:43
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Stimeder rechnet diesmal in seiner wöchentlichen Fußballkolumne auf der Standard.at mit den "beliebten" Bayern ab

Es fehlt was. Es hilft nix, es fehlt einfach was. Ich glaube entdeckt zu haben was. Und diese Erkenntnis erschreckt mich. Zutiefst.

Champions League, Saison 02/03. Alles da, was man braucht. Kremdölakrem des europäischen Klubfußballs. Barca, Arsenal, Milan, Man U, Real, Roma, sogar die wiederauferstandene Ajax hat's in die Zwischenrunde geschafft.

Aber es fehlt was. Zum Glück. Leider. Ich kann nicht mehr.

GOTTVERDAMMICHWASSETZICHMICHJEDEN- GOTTVERDAMMTENZWEITENMITTWOCHVORDEN- BEEP-FERNSEHERUNDSCHAUECHAMPIONSLEAGUE?

WEIL ICH DIE BAYERN VERLIEREN SEHEN WILL.

Aber es gibt sie nicht mehr. Sie sind weg. Ausgeschieden. In der Vorrunde. Gegen die Lombarden, die Nordfranzosen und die Galizier. Waren nicht mal fähig, den dritten Platz, der zum UEFA-Cup-Start berechtigt, zu verteidigen.

So, jetzt ist es heraußen. Ja, ich gebe es zu. Ich vermisse die Bayern.

Nicht, daß wir uns falsch verstehen. Inter gegen Leverkusen zum Beispiel war ein großartiges Spiel. Fünf Tore und alles. Klasse. Aber im Endeffekt: Egal. Tangiert mich nicht die Bohne. Wenn man nicht zu jener Fraktion gehört, die "einfach nur ein gutes Spiel sehen will" oder "hofft, daß der bessere gewinnt" , was bleibt einem dann übrig? Natürlich interessiert es mich auch, ob die Basler in der Lage sind, die Geschichte des Wunders vom St. Jakob Park fortzuschreiben. Klar ist es ein Stürmerduell Shearer gegen Kluivert super. Aber es ist nicht dasselbe.

Fakt ist: Wenn die Bayern spielen, geht's ab. Von Wanne-Eickel bis Hermagor wird geflucht, gezetert, und noch mehr geflucht über die Roten mit ihrem ewigen Massel. "Die Bayern kann man nur lieben oder hassen" heißt es. Ich habe mich schon relativ früh für den Hass entschieden. Ich hasse die Bayern. Konsequent. Innig. Ich kann nicht anders. --------- ------- , wenn ich Uli Hoeness reden höre. Ich kriege einen Anfall, wenn sie wieder mal in buchstäblich letzter Minute den Kopf aus der Schlinge ziehen. Ich singe lauthals bei den Toten Hosen mit, wenn sie ihren Anti-Bayern-Song anstimmen.

Aber ich kann nicht ohne sie leben. Der 99er Abend von Barcelona war einer der schönsten meines Lebens. Ein Traum. Bayern München in den letzten zwei Minuten geschlagen. Im Finale der Champions League. Dort möchte ich sie verlieren sehen und nur dort. Jedes Jahr.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

gez. stimeder

NACHLESE

--> Santiago, ewiger Unglücksrabe

stimeder ist Österreich-Korrespondent des Fußballmagazins "11 Freunde"
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