Im klassischen Profil

10. Dezember 2002, 21:39
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"Die Akademie und der Klassizismus" in der Gemäldegalerie der Akademie am Schillerplatz

Wien - Ganz in Mode soll er ja wieder sein, der Klassizismus, glaubt man europäischen Ausstellungen der vergangenen Zeit, glaubt man Ausstattern und Angeboten auf Antiquitätenmessen. Ganz außerhalb von Moden kann Klassik ja nie wirklich stehen. Ganz oben, über den nahezu menschenleeren Gängen der Akademie am Schillerplatz, in der Gemäldegalerie, geht die Kunsthistorikerin Bettina Hagen nun den klassizistischen Spuren der damals tonangebenden k. k. Künstlerausbildungsanstalt nach.

Um 1800 wollte die Wiener Akademie (vergeblich) den damals bahnbrechenden "Theoretiker" des Klassizismus, Johann Joachim Winckelmann, nach Wien bringen, initiierte die zweite Auflage seiner "Geschichte der Kunst des Altertums". Dem Männern gegenüber sehr aufgeschlossenen Begründer der Archäologie ward Antinous, Lustknabe des Kaisers Hadrian, das Schönheitsideal. Ein nachgegossener Büstenausschnitt des Antinous-Reliefs aus der römischen Villa Albani soll dessen klassische Schönheit demonstrieren.

"Akademisch" war damals noch kein Schimpfwort. Die Studierenden konnten sich am Vorbild der Antike, anhand von - in der Schau hübsch ins rechte Licht gerückten - Gipsnachbildungen in der Glyptothek quasi handwerklich Richtung "edler Einfalt, stiller Größe" vervollkommnen - idealerweise in der Art, wie Josef Dorffmeister den Bildhauer Phidias an der Büste des Zeuss meisselnd malte, der göttlichen Eingebung folgend. Dramatische Momente aus der Mythologie fanden in kitschiger pathetischer Überhöhung (und hohem Unterhaltungswert) ihren Niederschlag - wie etwa Anton Petters Tod des Meleager. Ein Studienaufenthalt in Rom, am Busen der Götter, war damals obligat, und der göttliche Raphael steht Pate bei Heinrich Fügers Bild Tod des Germanikus, einer im Klassizismus beliebten Totenbettszene.

Füger widmete sich auch dem Thema Alkeste opfert sich für Admetos. Während hier sich Alkeste für ihren Mann wie eine Heilige opfert, tut sie es bei Angelika Kauffmann, der wohl bedeutendsten klassizistischen und ins Gesellschaftsleben Roms integrierten Malerin, als Heroin. Klassisch, wie gesagt. (DER STANDARD, Printausgabe, 11.12.2002)

Von Doris Krumpl

Bis 9. 3.
  • Von diesem Mann im pelzverbrämten Gelehrten- Hausmantel gingen die wesentlichsten Impulse für den Klassizismus in Europa aus: Porträt Joachim Winckelmann (mit Antinous- Bild) von Anton von Maron (Ausschnitt)
    foto: katalog

    Von diesem Mann im pelzverbrämten Gelehrten- Hausmantel gingen die wesentlichsten Impulse für den Klassizismus in Europa aus: Porträt Joachim Winckelmann (mit Antinous- Bild) von Anton von Maron (Ausschnitt)

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