Vitaminstöße für die Wiener Börse

13. Dezember 2002, 18:11
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Erste Bank: Vorsorgemodell und Ostfantasie sollten Wiener Kapitalmarkt 2003 beleben - ATX-Zugpferde werden von Aktien-Comeback profitieren

Wien - Eine Belebung des Wiener Kapitalmarkts erwarten die Aktienexperten der Erste Bank durch die Umsetzung des privaten Pensionsvorsorge-Modells. "Das ist ein erster Schritt, der in die richtige Richtung geht. Das Modell kann in weiterer Folge einige Probleme des Wiener Marktes lösen, wenn es sich bewährt", sagte Chefanalyst Friedrich Mostböck am Dienstag vor Journalisten. Warum sollte Österreich nicht etwas machen, was in anderen Ländern seit Jahrzehnten Bestand habe. Die Diskussion über die vorgeschriebene Aktienquote sieht der Experte gelassen, auch 40 Prozent statt der ursprünglich vorgesehenen 60 Prozent seien "gut vorstellbar".

Bedenken, dass der Wiener Aktienmarkt das durch das Vorsorgenmodell entstehende Volumen nicht aufnehmen könnte, zerstreut Mostböck: "Es wäre das erste Mal, dass bei entsprechender Nachfrage das Angebot nicht von alleine kommt." Zudem komme das Volumen nicht von heute auf morgen auf die Wiener Börse zu, "sondern scheibchenweise".

Geringe Liquidität

Mostböck hebt neuerlich die geringe Liquidität als größtes Manko der Wiener Börse hervor. Daher sei wichtig, dass auch die künftige Regierung den kapitalmarktfreundlichen Kurs fortsetze und Privatisierungen vorantreibe. Generell beurteilt Mostböck das politische Umfeld als positiv für den Gesamtmarkt, bloß ein "längeres Vakuum" bis zur Bildung einer tragfähigen Koalition wäre ungünstig.

Ostfantasie

Größte Triebfeder für Wiener Aktien ist laut Erste-Analyst Günther Artner nach wie vor die Ostfantasie: Den Bewertungsabschlag zu den internationalen Börsen habe Wien durch die Outperformance der letzten zwei Jahre geschlossen, allerdings sei auf Grund der Ostfantasie künftig sogar ein Aufschlag möglich. Denn auch für 2003 sieht Artner verstärktes Interesse von institutioneller Seite an diesem Thema: "Wir merken auf Roadshows, dass wir inzwischen bei großen US-Fondsmanagern gern gesehener Gast sind."

Aktien-Comeback

Als positiv für den Wiener Aktienmarkt hebt Artner hervor, dass die Schwergewichte des Leitindex ATX gute Ergebnisse zum dritten Quartal gemeldet hätten. Besonders liquide Aktien, die mit den Leitbörsen eine höhere Korrelation aufweisen, sollten künftig auch vom erwarteten Anspringen der internationalen Märkte profitieren. Denn das Erste Bank-Szenario für 2003 legt ein Comeback der Leitbörsen zu Grunde, sowohl auf Grund der "im Anziehen begriffenen Konjunktur" als auch wegen günstiger Bewertungen im historischen Vergleich und gemessen an Anleihen.

Empfehlungen

Unter den heimischen Einzelwerten empfiehlt Artner unter den "Blue Chips" Mayr-Melnhof, Telekom Austria (TA) und Wienerberger. Aus der "zweiten Reihe" legt der Analyst den Anlegern Andritz, Bau Holding und Semperit ans Herz. (APA)

  • Die Aktienexperten der Erste Bank sehen 2003 für die Wiener Börse Aufwärtspotenzial. Besonders die Ostfantasie und das neue Vorsorgemodell sollen den heimischen Kapitalmarkt beleben.
    foto: wiener börse

    Die Aktienexperten der Erste Bank sehen 2003 für die Wiener Börse Aufwärtspotenzial. Besonders die Ostfantasie und das neue Vorsorgemodell sollen den heimischen Kapitalmarkt beleben.

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