Wie Streptokokken überleben .. zu unserem Ärgernis

10. Dezember 2002, 22:31
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Forscher: "Ihnen schmeckt dank eines genetischen Tricks nach kurzer Gewöhnungsphase alles ..."

Jena - Forscher der Universität Jena haben entdeckt, wie sich eine Gruppe von Streptokokken, die unter anderem Scharlach und eitrige Hauterkrankungen hervorrufen, in den menschlichen Schleimhäuten ernähren können. Die Erreger können durch genetische Tricks nach kurzer Gewöhnungsphase alles verwerten, können sich so dem vorhandenen Nahrungsangebot anpassen, berichten die Wissenschaftler um Horst Malke und Kerstin Steiner vom Institut für Molekularbiologie.

"Die Streptokokken sind wahre Hunger-Überlebenskünstler und ihnen schmeckt dank eines genetischen Tricks nach kurzer Gewöhnungsphase alles", so Malke. Ein Mangel an Aminosäuren im Nahrungsangebot führt zur Aktivierung des so genannten "rel-Gens". Wird dieses Gen aktiviert, bildet sich ein kleines Signalmolekül. Dieses wiederum versetzt das Bakterium in die Lage, unter Aminosäure-Mangelbedingungen zu überleben. Neben dieser zwangsläufigen Antwort auf Aminosäuremangel fanden die Molekularbiologen erstmals auch eine "rel-Gen"-unabhängige Reaktion. "Diese Antwort betrifft nicht nur die Aktivierung eines einzigen Gens, sondern steuert eine ganze Palette spezieller Gene. Auf diese Weise testen die Streptokokken ihren Wirt regelrecht aus", beschreibt der Wissenschaftler den Vorgang. Danach aktivieren sie die jeweils geeignetste Kombination von Genen verschiedener Klassen. So können sich die Bakterien den aktuellen Nahrungsbedingungen dynamisch anpassen und das eiweißreiche Milieu ihres menschlichen Wirts zu ihrem Vorteil nutzen.

Die neuen Ergebnisse lassen sich möglicherweise für die Entwicklung neuer Wirkstoffe bei Infektionen durch Streptokokken nutzen. Unter den Genen, die an dem neu entschlüsselten Regulationsgeschehen beteiligt sind, befindet sich auch eine spezielle Gen-Gruppe. Diese Gen-Gruppe kontrolliert die Bildung des Wirkstoffs Streptokinase. Dieser Wirkstoff wird in der Medizin bei der Therapie von Herzinfarkten eingesetzt, um das Blut zu "verflüssigen". Die Ergebnisse der Jenaer Molekulargenetiker über die Kontrolle der Streptokinase-Bildung könnten zur gentechnischen Entwicklung neuer Streptokokken-Stämme eingesetzt werden, um die pharmazeutische Streptokinase-Gewinnung zu verbessern. Das Forschungsprojekt wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). (pte)

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