Sportliche Wende

9. Dezember 2002, 16:54
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Nach Rüschen, Folklore und Ethno bricht nun die sportliche Ära an. Kommende Sommersaison beherrschen edle Sportteile die Modeszene.

Die Zeit der Rüschen geht zu Ende. Waren die Mode-Saisonen zuletzt geprägt von Romantik, Folklore und Ethno, steht nun eine neue Sportwelle ins Haus. Edelturnschuhe, Kapuzenpullis und andere sportlich angehauchte Stücke erobern sich verlorenes Terrain zurück. Führten früher noch die Designer die Feder, wenn Stadtmode einen sportlichen Charakter erhielt, übernehmen jetzt die echten Sport-Spezialisten selbst die Initiative. Sie wollen nach den Wettkampfbahnen nun die Tribünen erobern.

Lange Zeit vermieden es diese Hersteller, ihre angestammten Gefilde zu verlassen. Punktuelle Kooperationen wie zwischen Puma und Jil Sander Ende der neunziger Jahre blieben eine Ausnahme. Die großen Designermarken zeigten weniger Skrupel. Prada, Escada, Hugo Boss und andere führten eigene Sportlinien ein. Ihr Ziel: die bequeme, aber luxuriöse Ausstaffierung von Alltag und Freizeit.

Dieses Segment nimmt nun auch Adidas ins Visier und baut dabei auf Hilfe von außen. In Zusammenarbeit mit dem japanischen Topdesigner Yohji Yamamoto entstand die Kollektion "Y-3", die im nächsten Frühjahr erstmals in den Handel kommt. Die erste Arbeit Yamamotos, zeigt, wie sich die Grenzen zwischen den Stilen auflösen lassen. Es gibt satte Blütendrucke auf Polokleidern oder Jogginghosen, cooles Schwarz, auf dem die drei Adidas-Streifen plakatives Ornament werden. Sakkos werden zu butterweich fallenden Hosen getragen.

Der französische Skispezialist Rossignol ist nun auch auf den Geschmack gekommen und hat kuzer Hand Jean-Charles de Castelbajac verpflichtet. Der Pariser Modemacher entwirft unter dem Namen "Fashion in Action" Avantgardistisches nicht nur für die Piste.

Projekte dieser Art sind eingebettet in eine allgemeine Stimmungslage. "Sport entspricht unserem Lebensgefühl. Das unterstrichen auch die jüngsten Designer-Defilees in Mailand und Paris. Ob Balenciaga, Louis Vuitton, Jil Sander oder Emilio Pucci - viele der wichtigsten Trendsetter-Marken fanden ihre Inspiration für die Saison Frühjahr/Sommer 2003 in der Welt des Sports.

Vom Sog der Laufstege profitieren auch die modischen Ambitionen der Spezialisten. Bereits im Herbst realisierte Puma sein "96hours"- Konzept. Dabei geht es um einen nur Handgepäck-großen Trolley aus Aluminium samt Inhalt. Vier Tage lang, also 96 Stunden, soll ein Geschäftsreisender damit auskommen und alle Eventualitäten meistern. 26 Kleidungsstücke, von Unterhosen über Jeans bis zum Sakko und zwei Paar Schuhen, sind eingepackt. Allerdings keine Krawatte. "Die neue Business-Generation sucht bewusst mehr Lässigkeit. Modisch, zeitgerecht, kompetent und immer passend gekleidet so Puma.

Natürlich geht es auch ums Image. Ein komplett gefüllter "96hours"-Koffer kostet stolze 3900 Euro. Nicht im Sportfachhandel, sondern in exklusiven Trendboutiquen liegen die neuen Produkte aus. Puma belieferte hier zu Lande gerade einmal zehn Geschäfte mit "96hours". Für "Y-3" sind immerhin 34 Verkaufspunkte vorgesehen.

Ein Argument für die Notwendigkeit solcher Ideen finden die Macher in der Hektik der modernen Zeit: Wer rennen muss, um seine U-Bahn zur Arbeit nicht zu verpassen, wird für Sportmode dankbar sein. (APA/red)

  • Louis Vuitton

    Louis Vuitton

  • Balenciaga

    Balenciaga

  • Y-3 Yohji Yamamoto

    Y-3 Yohji Yamamoto

  • Jil Sander - Puma

    Jil Sander - Puma

  • 96 hours von Puma

    96 hours von Puma

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