Geschichte des Unabhängigkeitskampfs von Aceh

11. Juli 2005, 10:42
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Einer der ältesten und blutigsten Unabhängigkeitskämpfe Südostasiens

Banda Aceh/Genf - Nach 28 Jahren des Konflikts zwischen der indonesischen Regierung und der Rebellenbewegung "Freies Aceh" (GAM) könnte im Zuge der Vermittlungen des finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari die EU eine Friedenstruppe in die Region schicken. Damit soll einer der ältesten und blutigsten Unabhängigkeitskämpfe Südostasiens beendet werden.

Aceh liegt im äußersten Norden der Insel Sumatra. In der kleinen Provinz leben nur vier Millionen der 212 Millionen Indonesier. Doch die Region birgt große Erdöl- und Erdgasvorkommen - einer der Gründe, warum die Regierung in Jakarta sich vehement gegen das Unabhängigkeitsstreben des ehemaligen Sultanats wehrte. Die Separatistenbewegung hatte einen eigenen islamischen Staat errichten wollen.

Aceh hat eine lange Tradition im Widerstandskampf. Ende des 19. Jahrhunderts benötigten die niederländischen Kolonialherren 30 Jahre, um die Nordspitze Sumatras in ihre Gewalt zu bekommen. Doch auch nach der Kolonialisierung leistete eine Guerilla-Bewegung weiter Widerstand gegen die Besatzer. Die Niederlande verließen Aceh 1942 kurz vor der japanischen Invasion. Bereits Anfang der fünfziger Jahre gab es erste Unruhen. 1976 formierte sich die "Gerakan Aceh Merdeka" (GAM) und forderte einen unabhängigen Staat. Die Organisation zählte zunächst nur etwa 150 Mitglieder. Die indonesische Armee bekam die Revolte rasch in den Griff.

Doch 1989 bekamen die Rebellen Zulauf von 250 Extremisten, die in Libyen perfekt für den Guerillakampf ausgebildet worden waren. Die Regierung erklärte Aceh daraufhin zur Sondermilitärzone. Die Brutalität, mit der die Armee in der Provinz vorging, mobilisierte immer mehr Einwohner für den Unabhängigkeitskampf. Allein in den drei Jahren zwischen 1989 und 1992 wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) etwa 2000 Menschen getötet.

Nach dem Sturz des Diktators Suharto im Mai 1998 kam es zu ersten Bemühungen um eine politische Lösung. Das Ausland zeigte jedoch kein Interesse an einer Vermittlung. Die USA bestärkten die Regierung in Jakarta lediglich in ihrem Anspruch, den von einzelnen Konflikten zerrissenen Vielvölkerstaat auf jeden Fall zusammenzuhalten. Vor zwei Jahren schaltete sich das Zentrum Henry Dunant für humanitären Dialog in Genf in die Verhandlungen ein, die zur Unterzeichnung eines Abkommens im Jahr 2002 führten.

Im Jahr darauf folgte jedoch eine Offensive der indonesischen Armee. Nach den schweren Zerstörungen durch den Tsunami im Dezember 2004 scheint nun eine Friedenslösung nach den Vermittlungen durch den finnischen Ex-Präsidenten Martti Ahtisaari möglich. (APA)

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