FurReal schnurrt und faucht unterm US-Weihnachtsbaum

9. Dezember 2002, 09:48
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Auf den Wunschzetteln amerikanischer Kinder stehen die kleinen Roboterkatzen ganz oben

Haustier oder nicht - das ist in vielen Familien zu Weihnachten eine heiß diskutierte Frage. Tierschützer können aufatmen, denn das ideale "Haustier" steht dieses Jahr erstmals in amerikanischen Spielwarenregalen. FurReal Friends, Freunde mit echtem Fell, heißen die kleinen Roboterkätzchen, die mit langem grauen, weißen oder braunen Fell echten Katzen täuschend ähnlich sehen.

Vorteile

Der Vorteil: "Sie müssen nicht gefüttert werden, lösen keine Allergien aus und sind stubenrein", sagt Dirk Linzbach, Junior Brand Manager beim Hersteller Hasbro.

Sexistische Manager

Über sechs Sensoren merken die Spielzeug-Katzen, wenn sie an Hals, Rücken und Gesicht gekrault werden und geben ein zufriedenes Schnurren ab. Zieht man allerdings am behaarten Schwanz, wird das elektronische Haustier böse und faucht seinen Besitzer an. "Das ist vor allem ein Spielzeug für Mädchen ab sechs Jahren, damit werden die Mutterinstinkte, das Hegen und Pflegen angesprochen", glaubt Linzbach. Aber nicht nur bei der anvisierten Zielgruppe stoßen die haarigen Gefährten auf Gegenliebe. "Viele kaufen so ein Tier, damit der eigene echte Hund einen Spielgefährten hat." Auch in amerikanischen Altersheimen hat das Tierchen schon Einzug gehalten.

Topliste

Auf den Wunschzetteln der amerikanischen Kinder steht FurReal in diesem Jahr ganz oben - im "Toy Wishes Magazine" hat es das Robotertier unter die Top 12 der Weihnachtswünsche geschafft. Nach amerikanischen Medienberichten sind bereits Millionen der possierlichen Tiere verkauft, Hasbro selbst gibt keine Verkaufszahlen bekannt. In deutschen und österreichischen Kinderzimmern werden die Kätzchen erst zu Weihnachten 2003 erwartet - zu einem Preis von 40 bis 50 Euro.

Sinnlos?

"Notwendig sind diese Spielzeuge nicht, denn es ist realistischer, wenn ein Kind eine echte Katze sieht und mit ihr spielt", sagt die Erziehungswissenschafterin Dörthe Berner von der Uni Leipzig. "Allerdings können Kinder diese Katzen bis zum Umfallen untersuchen." Mit dem haarigen Spielgefährten sei auch eine gewisse sensorische Erfahrung verbunden, die für Kinder wichtig sei. "Der Lerneffekt kommt daher, dass Kinder sich mit ihrem Spielzeug in eine Fantasiewelt begeben und Situationen nachspielen."

Background

Der Boom um die technikgesteuerten Kuscheltiere ging in den neunziger Jahren mit Furby los. Dieses eulenähnliche Tier mit spitzer Nase und großen Augen hat einen Wortschatz von rund 200 Wörtern, spielt und will gefüttert werden. In jedem interaktiven Tier, das mit rund 40 Millionen verkaufter Exemplare zu den Kassenschlagern der Spielwarenindustrie gehörte, ist so viel elektronische Intelligenz verarbeitet, wie 1969 bei der Mondlandung zur Verfügung stand.

Nachfolger

Dem Furby folgte allerlei animiertes Spielzeug - nicht nur für Kinder. Das wohl eigenständigste, aber auch teuerste "Spielzeug" stellt Sony mit seinem Aibo her. Dieser silberglänzende Hund ist allerdings eher ein pflegeleichtes Haustier für High-Tech- und Design-Freaks - und kein billiger Spaß: Aibo kostet 1.600 bis 1.800 Euro.

"Das ist kein Spielzeug", erklärt Sony-Sprecherin Doreen Pankow. Mit eingebauter Kamera, Sensoren und Memorysticks, die das Verhalten des Roboters steuern, ist Aibo ein Prestigeobjekt, dass sich in den vergangenen drei Jahren weltweit rund 110.000 Mal verkaufte. "Die Technik soll mit solchen Geräten sanft an die Menschen herangetragen werden", erläutert Pankow. Mit dem Aibo werde die Künstliche Intelligenz in die Wohnstuben getragen. (APA)

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