Mehr Sicherheit durch Drei-Säulen-Modell

9. Dezember 2002, 11:52
posten

Cash und Anleihen als Ergänzung zu Aktien

Wien - "Die internationalen Aktienmärkte haben ab der zweiten Oktoberwoche zu drehen begonnen", sieht Heinrich Spängler, Chef und Miteigentümer des traditionsreichen Salzburger Bankhauses Carl Spängler & Co. einen ersten Hoffnungsschimmer nach einer zweieinhalbjährigen Baisseperiode, der längsten in der Nachkriegszeit. Dennoch bleibt er vorsichtig. Schließlich könnte es sich auch um eine technische Reaktion oder um ein Strohfeuer handeln, räumt er ein. Das Marktumfeld werde jedenfalls auch in den kommenden Wochen und Monaten sehr schwierig bleiben und die Geduld der Anleger weiter auf eine Probe stellen. Grund zur Resignation sei das allerdings nicht.

Gerade in schwierigen Zeiten sei der Grundsatz der Diversifikation mehr denn je gefragt, findet Spängler und schlägt den Anlegern deshalb ein Drei-Säulen-Modell vor. Die erste Säule heiße Cash. Hier solle der Investor jenes Geld, das er als Liquiditätsreserve brauche, in Sparprodukte, Festgeld oder geldmarktnahe Fonds anlegen. Die zweite Säule heiße Anleihen. Neben festverzinslichen Wertpapieren - vor allem solchen mit relativ kurzen Laufzeiten - böten sich für diese Ertragssäule auch eine Reihe von Investmentfonds an.

Die dritte Säule besteht für Spängler nach wie vor aus Aktien. Die Erträge aus den beiden ersten Säulen und jener Teil des Vermögens, der langfristig nicht gebraucht werde, sollte in diesen Teil fließen.

Umdenken

Bei der Veranlagung in Aktien müssten die Investoren allerdings umdenken. Seien in der Zeit des letzten großen Aktienbooms, die im Frühjahr 2000 zu Ende ging, besonders Werte mit Fantasie gefragt gewesen, so sollte jetzt in erster Linie auf Substanz und Qualität geachtet werden. Wer solche Aktien in seinem Portefeuille habe, sollte auch etwaige Verkaufsgedanken wegen einer ungünstigen Kursentwicklung verwerfen. "Wenn hinter einem Wert Substanz und ordentliche Gewinne stehen, ist es vernünftig, dabei zu bleiben".

Trennen sollte sich der Investor dagegen von jenen Aktien, bei denen Gewinne derzeit nicht abzusehen seien, also vor allem von Titeln der New Economy. In diesem Fall sei es besser, auch mit Verlust auszusteigen. (gb, DER STANDARD, Printausgabe 9.12.2002)

  • Artikelbild
    foto: photodisc
Share if you care.