Weihnachtliche Sternenkunde

8. Dezember 2002, 11:53
posten

Am 24. November hat sich ein Traum von Rot-Grün zerschlagen. In anderer Form, nämlich in Vase oder Topf, schmückt diese Kombination im Advent die meisten heimischen Wohnzimmer

Wenn in alten Zeiten im Advent vom Weihnachtsstern die Rede war, dachte jedermann an den Stern von Bethlehem, der den Heiligen Drei Königen den Weg zum Geburtsort Christi wies. In unserer säkularisierten Gegenwart assoziiert man mit dem Begriff Weihnachtsstern aber viel häufiger eine dekorative Pflanze, deren Blätter in den weihnachtlichen Farben Rot und Grün leuchten.

Genauer gesagt ist Rot-Grün nur die klassische Kombination - mittlerweile gibt es die Weihnachtssterne in vielen sprenkelt. Der letzte Schrei sind eingefärbte Weihnachtssterne in Blau, Gold und Silber, wahlweise auch mit Glitter. De gustibus. . .

Abgesehen von ihren vielen Farbvarianten kann die Euphorbia pulcherrima (Schönste der Euphorbien - so lautet die botanische Bezeichnung des Weihnachtssterns) auch mit einer Vielzahl an Namen aufwarten: "Etoile d'amour" (Liebesstern) und "Rose de Noël" (Weihnachtsrose) heißt sie in Frankreich, "Flores de Noche Buena" (Blumen der Heiligen Nacht) in ihrer mexikanischen Heimat und Poinsettie weltweit.

Letzteren Namen verdankt die zur Gattung der Wolfsmilchgewächse zählende Pflanze dem ersten Botschafter der USA in Mexiko, Joel Poinsett, der vor rund 200 Jahren einige Exemplare an den botanischen Garten in Philadelphia schickte. Erst hundert Jahre später kamen die ersten Poinsettien nach Europa, und seither ist ihr Siegeszug nicht aufzuhalten.

Längst bekommt man Weihnachtssterne nicht mehr nur als "normale" Topfpflanze, sondern auch als Hochstamm oder Schnittblume. Wer selbst schneidet, muss die Stielenden einige Sekunden in kochendes Wasser tauchen oder über eine Kerzenflamme halten, damit der - bei Zuchtexemplaren ungiftige - Milchsaft nicht ausläuft.

Auch sonst gilt es nur wenige simple Anweisungen zu befolgen, um lange Freude an Weihnachtssternen zu haben: Kaufen Sie nur Exemplare, bei denen die kleinen, gelb-grünen Blüten noch Knospen sind, stellen Sie sie an einen hellen, warmen Platz, aber nicht in die Sonne und keinesfalls in Zugluft. Und das Wichtigste: wenig gießen! (Marie-Therese Gudenus/DER STANDARD, Printausgabe vom 7./8.12.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.