Mechelen am Ende

8. Dezember 2002, 22:16
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Die Mitglieder beschlossen die Liquidation des schwer verschuldeten letzten belgischen Europacupsiegers

Brüssel - Vorweihnachtliche Tristesse in Mechelen. Bei der Generalversammlung haben sich die Mitglieder am Samstag zur Liquidation des bisher letzten belgischen Europacupsiegers entschlossen. Das Meisterschaftsspiel am Sonntag in Gent soll noch wie geplant stattfinden, doch wie es danach weitergeht kann niemand sagen. Der Sprecher des Krisenkomitees Johan Willemen meinte: "Ich weiß nicht, wo KV in der nächsten Saison spielen wird, das hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab." Am Ende stand es so schlimm, dass wegen unbeglichener Rechnungen sogar die Telefonleitungen stillgelegt wurden.

Kaum Chance auf Lizenz

Das Schicksal des Vereins liegt nun in den Händen eines als Liquidator eingesetzten Rechtsanwalts. Seine erste Aufgabe wird sein, einen Käufer für den maroden Klub zu suchen. Um eine Lizenz für die erste oder zweite Liga zu erhalten müßten bis Ende Februar 2003 2,5 Millionen € aufgetrieben werden, doch daran ist derzeit nicht zu denken. Eine Relegation in tiefere Regionen scheint unabwendbar, im schlimmsten Fall müsste man in die niedrigsten Klasse absteigen.

Bis zuletzt hatte die Hoffnung bestanden, eine Gruppe um den Niederländer Aad de Mos könnte den Klub übernehmen, doch das erwartete Übernahmegebot traf nie ein. Als dann Ex-Vorsitzender Willy van den Wijngaert investierte Gelder in der Höhe von 12,5 Millionen € zurückforderte, blieb kein Ausweg mehr.

Frustrierte Fans

Die Funktionäre in Mechelen müssen sich nun von zornigen Angängern fragen lassen, wie es möglich war, dass der Verein in eine derartige Abhängigkeit von Ex-Boss Van den Wijngaert geraten konnte. Auf der Pressekonferenz am Samstag konnte Sprecher Willemen dazu bloß mitteilen, dass mehrmals gefordert worden sei, die quasi Alleinherrschaft Van den Wijngaerts zu stoppen. Letztlich sei er es aber gewesen, der das nötige Geld in den Klub gepumpt hätte - und dagegen hätte man kaum argumentieren können. Auch der Stadt Mechelen wurde vorgeworfen, sie habe dem gefährdeten Verein nicht geholfen. Besonders frustrierend für die Anhänger: Niemand konnte ihnen sagen, was mit Geldern geschehen ist, die von ihnen in diversen Aktionen zur Unterstützung des Vereins gesammelt wurden.

Der KV Mechelen ist einer der traditionsreichsten belgischen Vereine. Er wurde 1904 als FC Malinois gegründet und war in der Saison 1921/22 erstmals erstklassig. Vier mal waren die Rot-Gelben Meister (1943, 1946, 1948, 1989), einmal gewann man den belgischen Cup. Der größte Erfolg gelang 1988 als man völlig überraschend gegen Ajax Amsterdam im UEFA-Cup Finale triumphierte. Wenige Monate später holte man gegen PSV Eindhoven auch den Supercup. (rob)

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