Die Büste der Nofretete wurde vor 90 Jahren entdeckt

9. Dezember 2002, 09:30
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Sie war die Hauptfrau des ägyptischen Königs Echnaton

Berlin - Die über 3000 Jahre alte Büste der Nofretete ist der wohl bekannteste Kunstgegenstand aus der altägyptischen Zeit. Ihre heutige Bekanntheit verdankt sie dem Archäologen Ludwig Borchardt, der die 50 Zentimeter hohe Kalksteinbüste am 7. Dezember 1912 bei Ausgrabungen in den Ruinen von Tell el-Amarna, auf halbem Weg zwischen Luxor und Kairo am Nil gelegen, entdeckte. Nofretete war die Hauptfrau des ägyptischen Königs Echnaton (Amenophis IV.), der von 1351 bis 1334 vor Christus regierte.

Das Faszinierende an der Büste ist wohl die Lebendigkeit und die Ausstrahlung der Königin, einer Ägypterin aus der Oberschicht, deren genaue Herkunft bis heute nicht bekannt ist. Bereits zu seinem Regierungsantritt war Echnaton mit Nofretete verheiratet. Der König verlegte seine Residenz von Theben nach Achet-Aton (das heutige Tell el-Amarna), wo er eine Art Monotheismus mit dem Gott Aton im Zentrum begründete. In der Regierungszeit Echnatons taucht Nofretete oftmals auf Darstellungen und Reliefs auf.

Letzte Ruhestätte unbekannt

Um den Verbleib der Königin ranken sich verschiedene Theorien: So glaubte man viele Jahre, dass sie von Echnaton verbannt oder verstoßen wurde. Heute nehmen Wissenschafter an, dass das Königspaar in Achet-Aton eines natürlichen Todes starb. Doch wurde Nofretete nicht in jenem Grab bestattet, das Echnaton zugeschrieben wird. Ihre letzte Ruhestätte ist nicht bekannt.

Kulturbegeisterte Industrielle, Bankiers, Politiker und Militärs hatten sich vor über 100 Jahren in Berlin zusammengeschlossen, um mit erheblichen Geldmitteln aufwändige Ausgrabungen im Vorderen Orient zu organisieren. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden dort zahlreiche alte Hauptstädte freigelegt, darunter Babylon und Assur in Mesopotamien sowie eben auch el-Amarna in Ägypten. Zu den Funden, die nach Berlin gelangten, gehörte das prächtige Ischtar-Tor aus Babylon.

Schenkung nach Berlin

Alle Schmuckstücke aber werden überstrahlt von der Büste Nofretetes, der schönen Königin. Seit 78 Jahren ist sie der Liebling der Berliner und der Touristen. Die Büste wurde 1913, als noch niemand an ein Ausfuhrverbot dachte, vom Osmanischen Reich dem Ausgräber und Finanzier James Simon überlassen. Der Großkaufmann und Mäzen stellte das Kunstwerk erst einmal in seiner Privatwohnung auf, ehe er es 1920 satzungsgemäß dem Vorderasiatischen Museum auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte schenkte.

Dann dauerte es noch einmal vier Jahre, bis das Publikum den Schatz erblicken durfte - neben einer assyrischen Königsgruft aus Assur und Keilschrifttafeln aus Hattuscha. Der Erste Weltkrieg und die Inflation setzten der außerordentlich erfolgreichen Arbeit der Orient-Gesellschaft ein Ende. Die Nazi-Zeit ließ die Gesellschaft gänzlich in die Bedeutungslosigkeit versinken, war sie doch gerade vom deutschen Bürgertum jüdischer Herkunft getragen worden.

Rückgabe?

Nofretete wanderte in dieser Zeit zum Schutz gegen Fliegerangriffe in den Keller der Preußischen Staatsbank und später in ein Thüringer Bergwerk, wo sie die Amerikaner fanden. 1956 wurde sie schließlich wieder nach Berlin gebracht, wegen der politischen Spaltung diesmal in den Westteil der Stadt. Im Stüler-Bau gegenüber dem Schloss Charlottenburg wartet sie nun auf ihre Rückkehr zur Museumsinsel, die noch jahrelang umfassend saniert wird. Ihr Schicksal jedoch ist ungewiss. Vor wenigen Jahren deutete Ägypten auf einer UNESCO-Konferenz in Kairo an, es wolle die Nofretete-Büste aus Berlin zurück haben. (APA/dpa)

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    Die über 3000 Jahre alte Büste der Nofretete wurde 1912 bei Ausgrabungen in Ägypten entdeckt.

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