Bundesbahnen langen kräftig zu

6. Dezember 2002, 10:48
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Ticket-Preise steigen um bis zu 9,4 Prozent - Mittlere Distanzen am stärksten betroffen - Heftige Proteste der Fahrgäste

Wien - Eine Woche nach Bekanntgabe der generellen Tariferhöhung im kommenden Jahr haben die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) am Donnerstagnachmittag erste Details herausgerückt. Demnach steigen die Preise für Bahntickets 2003 um bis zu 9,4 Prozent. Hauptbetroffen sind dabei wie angekündigt mittlere Strecken - etwa Wien-Salzburg und Wien-Graz. Beide Strecken zählen zu den drei wichtigsten Reiseverbindungen der ÖBB. Auf kürzeren Strecken steigen die Preise um knapp 7 Prozent. Wochen- und Monatskarten werden im Schnitt um 6 Prozent teurer.

Insgesamt wollen die ÖBB laut Vorstandsdirektor Ferdinand Schmidt im kommenden Jahr durch die Tariferhöhung 12 Mio. Euro mehr einnehmen. Geringfügig billiger werden nur extreme Langstrecken: Der Tarif für Wien-Bregenz sinkt um 20 Cent.

Wochenkarten werden teurer

Konkret wird eine Einzelfahrt von Wien nach Linz zum Normalpreis 2. Klasse ab 2003 exakt 23 Euro kosten, statt bisher 21,80 Euro. Der Tarif von Wien nach Salzburg steigt von 33,40 Euro auf 36,50 Euro und für Wien-Graz wird man statt bisher 24,70 Euro künftig 26,90 Euro bezahlen. Für Wien-Innsbruck bleibt der Tarif unverändert.

Wochenkarten werden bis zehn Kilometer um 60 Cent, bis 20 Kilometer um 70 Cent, bis 40 Kilometer um rund einen Euro und bis 50 Kilometer um 1,10 Euro teurer.

Tarife derzeit nicht kostendeckend

Die Bundesbahnen begründen die Erhöhung damit, dass die Tarife derzeit nicht kostendeckend seien. Die letzte Anhebung liege bereits zwei Jahre zurück. Schmidt sprach am Mittwoch bei den neuen Tarifen von "marktkonformen Preisen". Im Gegenzug zur Erhöhung versprechen die ÖBB ein besseres Service. Im kommendem Jahr sollen neue EuroCity-Wagen Fahrzeiten zum Einsatz kommen und Fahrzeiten auf der Westbahn - etwa Wien-Salzburg - verkürzt werden. Außerdem werden, so die ÖBB, ab 15. Dezember dieses Jahres 100 neue Zugverbindungen angeboten.

Heftige Proteste gegen die geplante Tarifanhebung bei ÖBB und Verbünden kommt von den Fahrgästen. Als "böses Weihnachtsgeschenk für die Pendler" bezeichnete zuletzt die Arbeiterkammer die angekündigten ÖBB-Tariferhöhungen. Der Verein "Fahrgast" und die AG Verkehrspolitik forderten vergangene Woche schon ein Eingreifen des Verkehrsministers.

Betroffen von der Preiserhöhung sind nicht nur Gelegenheitsfahrer auf den Fernstrecken sondern auch Pendlern. Laut jüngster APA-Rundfrage sind Tarifanhebungen bereits auch in den Verkehrsverbünden Ostregion (VOR) und Tirol fix. In der Branche geht man allerdings davon aus, dass über kurz oder lang im Laufe des Jahres alle zwölf Verbünde nachziehen werden. (APA)

  • Werbung und Wirklichkeit klaffen manchmal ein klein wenig auseinander.
    foto: oebb

    Werbung und Wirklichkeit klaffen manchmal ein klein wenig auseinander.

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