Schuldenfalle schnappt immer öfter zu

5. Dezember 2002, 20:07
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Zahlungsmoral der Österreicher sinkt weiter - Schuldner werden immer jünger - Die Inkasso-Büros haben Hochkonjunktur

Wien - Die Zahlungsmoral in Österreich verschlechtert sich von Jahr zu Jahr. 2001 wurden den heimischen Inkasso-Firmen offene Forderungen von insgesamt 1,04 Mrd. Euro übergeben, das waren um ein Drittel mehr als 1999, teilte der Inkassoverband Österreich (IVÖ) am Donnerstag in Wien mit. Vor allem Jugendliche tappten immer öfter in die Schuldenfalle.

Laut einer aktuellen Umfrage des IVÖ unter seinen Mitgliedern sind die drei wichtigsten Gründe, warum private Schuldner offene Rechnungen nicht begleichen, Überschuldung, Arbeitslosigkeit und auch Zahlungsunwilligkeit. Bei gewerblichen Schuldnern sind es - neben Überschuldung - Umsatzschwäche und das bewusste Ausnützen von Zahlungszielen und deren Überschreitung.

Die Euro-Bargeldeinführung hat nach Einschätzung der IVÖ-Mitglieder keine Verschlechterung des Zahlungsverhaltens zur Folge gehabt. Wie die Umfrage weiters ergab, zahlen Jungunternehmer, deren Zahl in den letzten Jahren stark zugenommen hat, nicht besser und schlechter als etablierte Betriebe.

Nach Meinung der befragten IVÖ-Mitglieder haben unter den Branchen die Bauwirtschaft, Lebens- und Genussmittel/Gastgewerbe sowie EDV/Neue Medien die größten Probleme beim Zahlen. Im Gegensatz dazu werden die wenigsten Zahlungsprobleme für die Branchen Metall/Holz/Glas/Keramik/Kunststoffe, Elektro/Elektronik/Foto/Optik und Papier/Druck/Verlagswesen gesehen.

Von den offenen Forderungen, die Inkasso-Unternehmen übergeben werden, können in der Regel 60 bis 70 Prozent eingetrieben werden, berichtet der IVÖ aus der Praxis. Manchmal allerdings könne es bis zu 30 Jahren dauern, bis Schuldner unbeglichene Rechnungen bezahlen.

Die Kosten für das Inkasso seien jedenfalls von den Schuldnern zu tragen, weil sie einen Schadenersatzanspruch des Gläubigers darstellten, weist der IVÖ auf eine Klarstellung in dem Anfang August 2002 ergangenen Zinsenrechts-Änderungsgesetz hin. Eine langjährige Rechtsunsicherheit sei damit beseitigt worden. Die Regelung komme jenen Unternehmen zu Gute, die bisher wegen der juristisch unklaren Kostenfrage davor zurückgeschreckt wären, die Dienste eines Inkasso-Büros in Anspruch zu nehmen. (APA)

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    montage: derstandard.at
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