Tapetenwechsel

5. Dezember 2002, 23:27
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Der MAK Design Shop geht als Provisorium in die zweite Runde

Als vor knapp eineinhalb Jahren der Shop von seinem ursprünglichen Platz, dem Ausstellungstrakt an der Weiskirchnerstraße, zu den ständigen Schausammlungen an den Stubenring übersiedelte, stand dies unter dem Motto: MAK Design Shop in Arbeit. Bis zur Verwirklichung des aufsehenerregenden Entwurfs des New Yorker Künstler-Designers Vito Acconci von 1999 in Form einer raumsprengenden, permanent in Bewegung befindlichen Endlosschleife, einer schwebenden Produktwelt soll nur der Standort endgültig bleiben. Eine Laborsituation als Platzhalter, deren temporäre Erscheinungsform in Kooperation mit Leihgebern umgesetzt wird.

Der Brandscaping-kundige Architekt und Bühnenbildner Michael Wallraff hat das Konzept aufgegriffen und - mit Tapetenwechsel - fortgeführt. Seit 3. Dezember 2002 heißt es also: raus mit Kühlschränken, Küchenzeilen, Hacktischen oder Warmhaltevitrinen des Gastronomieeinrichters mayway und rein mit Werkbänken, Montagewägen und Tool Caddys des Werkstätten-, Lager- und Formel-1-Ausstatters LISTA. Wallraff, der unter anderem für Philipp Morris den Point of Sale als Prototyp in Dresden gestaltete, hat auch die nette Einladung zur Shop-Umwandlung beigesteuert. Ein Foto aus seiner Zeit als Schindler-Stipendiat zeigt ausschnitthaft ein Werkstattgebäude in L.A., mit gelbem Anstrich vor blauem Himmel und Palmen - lapidar, effizient, humorvoll. Getreu dem Motto der Firma LISTA, Making Workspace Work, wurde auf die spezifische Situation eines Shops eingegangen und etwa Schubladenschränke mit speziellen Glasabdeckungen in Displays verwandelt oder Montagewägen beidseitig mit Verstellböden in Bücherregale umfunktioniert. Plakative Werkstattästhetik in Form einer riesigen Metall-Pinwand bietet Gestaltungsspielraum, offen wie das äußerst erfolgreiche Shopkonzept selbst.

Oft ist das Provisorium die bessere Lösung, die Praktikabilität des phantastischen Acconci-Designs müsste erst erprobt werden. Rechtzeitig vor Weihnachten wird der gut bestückte, gerne besuchte MAK-Shop sein neues Gesicht im zweckentfremdetem Mobiliar offenbaren und auf unbeschränkte Zeit in Resedagrün und Anthrazit erstrahlen. (DER STANDARD/rondo/Ursula Graf/6/12/02)

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