Zur Kunst des Klangfärbens

5. Dezember 2002, 21:09
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Pianist Markus Schirmer, dreimal mit Benjamin Britten im Musikverein zu Gast, im Gespräch

Wien - Ort des Gesprächs: Cafe Mozart. Der Künstler selbst: nett. Präziser: unprätentiös, freundlich, vital, normal. Markus Schirmer, muss man wissen, ist Pianist, und als solcher äußerst vielseitig: Der 39-Jährige unterrichtet Klavier an der Musikuniversität in Graz, konzertiert solistisch und kammermusikalisch. Für seine Einspielung von Schubert-Sonaten wurde er mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet; seit kurzem ist der Klassikmarkt um eine Aufnahme der Klavierquartette von Mozart reicher (Schirmer plus Gaede-Trio).

Dann und wann ist der Grazer auch - zusammen mit dem Schauspieler Wolfram Berger - mit dem Programm Engel im Kopf auf Wiener Kleinkunstbühnen zu erleben. Ab Mittwoch, 4.12., gibt Schirmer zusammen mit den Wiener Symphonikern und Fabio Luisi Benjamin Brittens Klavierkonzert dreimal im Wiener Musikverein. Also fragt man ihn natürlich zuerst nach dem Klavierkonzert, denn das ist nun wirklich nur wenig bekannt. Und: Wenn es jemand kennen muss, dann Schirmer, hat er das Stück doch schon an die zehnmal aufgeführt.

Charmantes Werk

Also, wie sehen Sie das Werk? Brittens Klavierkonzert, führt Schirmer bei Kaffee und Kuchen aus, besteche durch seinen ganz eigenen Charakter, ein Charakter, der allen vier Sätzen - Toccata, Walzer, Impromptu und Marsch - immanent sei. Das Werk sei "charmant, kurios und witzig"; Klavier und Orchester befänden sich in einem ständigen Dialog. Das Impromptu etwa begänne sehr sphärisch und ließe dann Raum zum Solieren - für den Pianisten und das Orchester.

Und es gäbe auch reichlich lustige rhythmische Vertracktheiten in dem Werk. Schwer? "Sehr." Ist Schirmer ein Podiums- und Publikumsjunkie? Braucht er, genießt er die Livesituation des Konzerts? "Ja!" Aber: Interpretatorische Ehrlichkeit sei ihm enorm wichtig. Nur keine Show abziehen, nur nicht versuchen, wichtiger und klüger als der Komponist zu sein!

Dennoch gäbe es gerade bei diesem Konzert von Britten innerhalb der festen Vorgaben des Notentextes noch ausreichend Möglichkeiten, den Klang zu färben, in die eine oder andere rhythmische Wendung noch einen speziellen Kick hineinzubringen, keine Sorge. Ist es angenehmer, anregender, leichter, mit Orchester zu spielen als etwa ein Solorecital zu geben? Kann man so nicht sagen, meint Schirmer:

"Ich bereite mich auf einen Soloabend vor, gehe auf die Bühne und versuche dann in die Stimmung zu finden, in der und von der ich erzählen will. Das klappt manchmal sofort, manchmal dauert es etwas. Bei Klavierkonzerten gibt es ja meistens ein Vorspiel des Orchesters: Da ist also schon etwas da, eine Stimmungsvorgabe, von der man sich, so die Vorgabe gelungen ist, inspirieren lassen kann."

Letzte Frage: Wieso spielt er nicht mehr Zeitgenössisches? Hm, meint Schirmer, zum einen würden ihn manche Stücke klanglich zu wenig befriedigen, zum anderen gäbe es da noch so viel klassisches Repertoire, das noch zu entdecken wären: "Es geht sich einfach nicht alles aus." (DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2002)

Von Stefan Ender

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  • Markus Schirmer
    foto: musikverein

    Markus Schirmer

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