"Lebe ich, wie ich will?"

4. Dezember 2002, 22:11
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Cheryl Benard und Edith Schlaffer befragten beruflich erfolgreiche Frauen zu Erfolg, Selbstbewusstsein und Motivation

Wien - "Frauen sind bereit, hart für ihren beruflichen Erfolg zu arbeiten, legen aber gleichzeitig Wert auf ein erfülltes Privatleben." Dieses Resumée ziehen die Studienautorinnen Edith Schlaffer und Cheryl Benard aus der Gesprächssammlung mit "erfolgreichen" Frauen. Zweck der von "always selbst & sicher" in Auftrag gegebenen Untersuchung "Erfolgreiche Frauen – Zwischen Ambitionen und Optionen" war es, Strategien herauszuarbeiten, die es Frauen ermöglichen, selbstsicher ihre beruflichen Ziele zu verwirklichen.

Auszüge aus den Ergebnissen

Für alle befragten erfolgreichen Frauen gilt, dass sie auf sich selbst setzen. Sie sind gebildet und bereit, enorme Leistungen zu erbringen, um ihre Ziele zu erreichen. Oft stellen sie fest, dass sie besser sein müssen, als ihre männlichen Kollegen, um Erfolg zu haben, und dass bei Frauen in höheren Positionen Fehler sehr rasch bemerkt werden. Trotzdem lautet ihr wichtigster Rat an ihre Geschlechtsgenossinnen: "Glaubt nie, dass ihr etwas nicht schaffen könnt, weil ihr Frauen seid!"

Selbstüberwindung, Einsatz und Disziplin ...

... das sind die Schlüsselbegriffe auf dem Weg zum Erfolg. Ebenso entscheidend sind aber der Mut, Neues zu beginnen und Risiken einzugehen, und die Entschlossenheit, nicht mit dem Strom zu schwimmen, sondern sich eigene Bereiche zu suchen und sich dort zu behaupten.

Allen Befragten ist gemeinsam, dass sie nicht dem Bild der harten Karrierefrau ohne Privatleben entsprechen, die alles dem beruflichen Erfolg unterordnet und ihr "Beziehungsleben" opfert. Diese Frauen liegen zwar im internationalen Trend, nach dem Frauen heute dazu tendieren, verstärkt auf den Beruf zu setzen und dem Familienleben nicht mehr absolute Priorität einzuräumen. Dennoch ist das bevorzugte Lebensmodell ein ganzheitliches, mit einer bewusst geschaffenen und durchaus auch immer wieder neu erkämpften Balance zwischen Karriere und Privatleben. Darin besteht einer der großen Unterschiede zwischen den modernen Erfolgsfrauen und ihren männlichen Pendants.

Was verstehen Karrierefrauen unter Erfolg?

Grundsätzlich gilt, dass Erfolg für Frauen heute ganz klar positiv besetzt ist, und anders als in der Männerwelt stehen der materielle Aspekt, Prestige und Status nicht unbedingt im Vordergrund. Die Studie belegt, dass Frauen Erfolg als ein Synonym für Kompetenz und gelungene Präsentation nach außen verstehen, wobei innere Zufriedenheit und die Freude am Gestalten zentrale Bestandteile sind.

Frauen unterscheiden explizit zwischen äußerem Erfolg, der aus der sozialen Anerkennung entsteht, und dem inneren, der sich auf persönliche Motivation und die eigenen Maßstäbe begründet. "Lebe ich, wie ich will?" ist die Kontrollfrage zum persönlichen Erfolg, die viele der interviewten Frauen sich immer wieder stellen.

"Mäuschen-Syndrom" nicht erwünscht

Das Selbstbewusstsein muss natürlich passen. Das Gegenteil davon, das sogenannte Mäuschen-Syndrom und die Unfähigkeit "Klartext" zu reden, fällt bei Kolleginnen aber oft auf: Renate Brauner, Wiener Stadträtin für Frauenfragen: "Ich habe so viele gescheite Frauen kennen gelernt, die sich einfach zu wenig zutrauen." Im Lauf ihres frauenpolitischen Engagements hat sie oft beobachtet, "dass Männer, die langweilig sind, bei denen nichts dahinter ist, mit größter Selbstverständlichkeit Top-Positionen und hohe Gehälter einfordern. Und die Frauen? Sie gehen tatsächlich einen Schritt zur Seite."

Die Beziehung

Auch für beruflich erfolgreiche Frauen sind Nähe und Beziehung wichtig, daraus beziehen sie "Kraft für ihren anstrengenden Arbeitsalltag". Hier hat sich ein eindeutiger Trend herauskristallisiert: die Frauen richten sich in ihrer Partnerwahl eher nach ihrer Karriere, als dass sie ihre Karriere an ihren Partner anpassen. Sie möchten eine Beziehung, aber nicht um jeden Preis. Ihren Lebensgefährten sehen sie als Wegbegleiter in Richtung Erfolg, der empathisch, unterstützend und ermutigend sein soll.

Gerade in diesem Bereich stoßen aber viele erfolgreiche Frauen an eine Grenze, nämlich an die der männlichen Selbstsicherheit. Dies zeigen die Erfahrungen und Beobachtungen, die die befragten Frauen im Beziehungsleben gemacht haben. „Für den Mann ist eine selbstsichere Frau fast ein Feindbild“, berichtet die Hubschrauber-Pilotin Barbara Gobli.

Eine andere „Durchstarterin“ glaubt, dass es für erfolgreiche Frauen schon deshalb sehr wichtig ist, einen erfolgreichen Mann zu haben, weil die wenigsten Männer damit zurecht kommen, wenn das Karrierependel zugunsten ihrer Partnerin ausschlägt.

Quelle der Selbstsicherheit

Auf die Frage, woraus sie ihre Selbstsicherheit beziehen, geben viele der befragten Frauen an, dass neben der öffentlichen Anerkennung besonders das Erreichen selbst gesteckter Ziele, die persönliche Weiterentwicklung und ein erfülltes Privatleben sehr wichtig seien. Einige nennen Situationen, in den sie sich kopfüber in ein Abenteuer stürzten – wie ein Studium im Ausland oder ein Neubeginn in einer fremden Umgebung - als Quelle ihrer Selbstsicherheit. Andere berichten, dass akademische Erfolge oder die erste berufliche Verantwortung für sie besonders wichtig sind.

Und jede Erfolgsfrau kennt auch den einen oder anderen „Trick“, um sich stärker zu machen, wenn die Situation erfordert. Sie verwenden in der Regel dazu mentale Marker, also ermutigende Sätze und Mottos, die ihnen Sicherheit geben. Diese reichen von „ich kann alles schaffen“ über „was soll schon passieren“ und „zurück kann ich immer noch“ bis hin zu „natürlich wird mir das gelingen“.

„Entscheidend ist es, im Privat- wie im Berufsleben Schwerpunkte zu setzen und es nicht allen Recht zu machen, weil man niemanden verletzen möchte.“ So lautet eine der Empfehlungen von Sherrie Doyon de Toma, einer erfolgreichen Bankerin. Für sie sind – neben der Familie und ihrem Ehemann – auch eine gute Planung und regelmäßige Bewegung entscheidend für ihre positive Energie. Sie hält ihre Balance, indem sie wenn möglich täglich Sport treibt und ihre Zeit so einteilt, dass sie nicht ins Hetzen kommt und sich selbst überfordert. (red)

  • Die Studienautorinnen Cheryl Benard und Edith Schlaffer
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