Österreicher kaufen fair ein

2. Dezember 2002, 12:36
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Initiative Fairtrade zieht Bilanz - Neues Gütesiegel und neue Werbekampagne präsentiert

Wien - Die gemeinnützige Initiative Fairtrade, die sich für den fairen Handel von Produkten einsetzt, zieht nach einem Jahr Informationskampagne in Österreich eine positive Bilanz: "Bisher wurden in Österreich 1,5 Mill. Kilogramm Fairtrade-Bananen auf den Markt gebracht. Der Umsatz mit Fairtrade-Produkten ist um 150 Prozent auf 7,3 Mio. Euro gestiegen, der Marktanteil nahm um 35 Prozent zu", berichtete Leon Lenhard, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich, am Montag bei einer Pressekonferenz in der sogenannten "Banana-Bim", einem Sonderzug, der die kommenden zwei Wochen auf der Ringstraße fahren wird.

Der größte Erfolg für Fairtrade Österreich sei jedoch die breite öffentliche Unterstützung und Resonanz in der Bevölkerung, sagte Lenhard: "Bereits 38 Prozent der Konsumenten haben schon einmal Fairtrade-Produkte gekauft." Das Interesse sei enorm, vor allem sei der Konsument mündiger geworden und erkundige sich nach Inhaltsstoffen, den Kontrollmechanismen oder, ob die Produkte durch Kinderarbeit entstanden seien.

Ethik wird immer mehr zum Thema

Für die Wirtschaft werde Fairtrade bzw. Ethik immer mehr zum Thema, sagte der Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank NÖ-Wien, Peter Püspök. Fairtrade sei - wie die genossenschaftliche Struktur - "eine alternative Form des Wirtschaftens", bei der Gewinnmaximierung nicht das wichtigste sei, sondern der Mensch im Mittelpunkt stehe. Das Engagement der RLB sollte daher Beispiel für andere Organisationen sein, Fairtrade zu unterstützen, so Püspök.

Derzeit liegt der Marktanteil von Fairtrade-Bananen in Österreich bei 2,3 Prozent und bei Kaffee bei 1,6 Prozent. Dies sei "nicht viel, aber der richtige Anfang, um die wirtschaftlichen Spielregeln zu überdenken, betonte Lenhard. Mit diesem geringen Anteil konnte 100.000 Menschen geholfen werden. Große heimische Handelskonzerne haben das Thema Fairtrade vor allem durch Eigenmarken in der jeweiligen Biolinie bei Bananen umgesetzt. Die Zahl der Listungen habe sich zwar im vergangenen Jahr verdoppelt, das Potenzial sei aber nach wie vor groß, hieß es.

Vorbild Schweiz

Positives Beispiel in Europa und Vorbild für Österreich sei die Schweiz, wo bereits 20 Prozent der Bananen aus fairem Handel kommen. Nun soll auch in Österreich Fairtrade einen neuen Stellenwert bekommen. Nicht zuletzt mit neuen Produkten wie z.B. Soja oder Erdnüssen. Daher habe sich Fairtrade Österreich eine Initiative von insgesamt 16 Ländern angeschlossen und ein neues Gütesiegel sowie eine neue Werbekampagne entwickelt. Nach dem Motto Fairtrade garantiert den doppelten Genuss - Genuss durch Markenqualität plus Genuss durch soziale Aspekte - sollen die österreichischen Konsumenten für dieses Thema noch stärker sensibilisiert werden.

Mehr als 2.000 Supermärkten österreichweit

Fairtrade ist eine gemeinnützige Initiative, der 29 Organisationen aus den Bereichen Entwicklungspolitik, Kirche, Ökologie, Bildung und Soziales angehören. Ziel der Organisation lautet: Fair gehandelte Produkte auch im Supermarkt für den täglichen Einkauf verfügbar zu machen.

Fairtrade-besiegelte Produkte sind in den Weltläden, Biofachgeschäften und in mehr als 2.000 Supermärkten österreichweit erhältlich. Weltweit sind 8.000 Kleinbauernfamilien im Fairtrade-System eingebunden. (APA)

  • Raiffeisenlandesbank-GD Peter Puespoek, ORF Kultur-Lady Karin Resetarits und der GF von Trans Fair Oesterreich, Leon Lenhart vor der Fairtrade-Banana-Bim
    foto: artinger

    Raiffeisenlandesbank-GD Peter Puespoek, ORF Kultur-Lady Karin Resetarits und der GF von Trans Fair Oesterreich, Leon Lenhart vor der Fairtrade-Banana-Bim

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