Flughafen: Vor Pisten-Take off

2. Dezember 2002, 17:43
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Nach zweieinhalb Jahren kommt das Mediationsverfahren zum geplanten Bau einer dritten Flughafenpiste nun in eine entscheidende Phase

Wien - Die Beteiligten haben ja genug Zeit - und seit dem 11. September 2001 haben sie noch mehr Zeit: Laut dem Flughafen-Vorstandsdirektor Herbert Kaufmann werde sich der Airport nicht 2010 sondern - etwas gebremst - wohl erst 2012 so weit entwickelt haben, dass eine dritte Piste errichtet werden müsste. Oder auch nicht.

Seit zweieinhalb Jahren wird nun schon im Rahmen eines Mediationsverfahrens über die Ausbaupläne des Vienna International Airports diskutiert - und am Montag zogen die Beteiligten einmal Zwischenbilanz: "Wie in der Formel 1 haben wir die Aufwärmrunde hinter uns gebracht - jetzt stehen wir am Start", so der Schwadorfer Bürgermeister Richard Gebert.

Was aber nicht heißt, dass sich bis jetzt nichts getan hätte. Was die Pistenpläne betrifft, haben sich der Flughafen, die Vertreter der Anrainergemeinden, die Gegner und alle anderen Beteiligten jetzt einmal darauf geeinigt, zwei "Zukunftsbilder" zu verfolgen: Eine Nullvariante - und die Errichtung einer dritten Start- und Landebahn im Abstand von 2220 Metern zur bestehenden Ost-West-Piste "11/29". Fällt die Entscheidung für die Variante B, könnten auch noch alternative Pistenpläne untersucht werden. (siehe Grafik)

Bei allen Varianten wird gleichzeitig eine mögliche Kooperation mit dem Flughafen Bratislava mit untersucht. Eine Beteiligung am Flughafen Bratislava ist allerdings erst nach dessen Ausgliederung aus dem slowakischen Verkehrsministerium möglich.

Ein Maßnahmenkorb

Gleichzeitig wurde im Mediationsverfahren auch ein zweiter "Korb" erarbeitet, in den Maßnahmen eingepackt wurden, die auch raschere Verbesserungen für die Bevölkerung bringen sollen. Wie etwa alternative Abwicklungen von Abflug und Anflug. Eine Hoffnung liegt hier bei einer Satelliten unterstützten Abflugführung "mit der man leichter genau auf den Routen bleiben, beziehungsweise auch Orte umfliegen kann", wie Heinz Sommerbauer von der Austro Control erläutert.

Vergleichsmodell entwickelt

Weiters wurde ein regionales Vergleichsmodell entwickelt, wie der Wiener Planungsdirektor Arnold Klotz erläuterte. Eines, mit dessen Hilfe Veränderungen durch einzelne Szenarien verglichen werden können.

Auch wenn die Gemeindevertreter sich derzeit noch optimistisch gestimmt geben - "ich denke, dass wir eher positiv abschließen werden", hofft etwa Leo Heuber, Bürgermeister von Enzersdorf an der Fischa - letztlich wird dann aber ein Ergebnis der Bevölkerung zu vermitteln sein. "Es wird jede Gemeinde etwas nachlassen müssen", ist der Schwadorfer Bürgermeister Gebert realistisch.

Das Ziel ist jedenfalls eine "Teilvereinbarung" für Einzelmaßnahmen - und der Abschluss eines "Mediationsvertrages" zum Thema Pistenbau. Und was immer herauskommt - das Ergebnis soll der Bevölkerung vorgelegt werden. In welcher Form ist noch offen. Und was immer die Bevölkerung dann dazu sagt - im Anschluss müsste das Pistenprojekt noch in die Umweltverträglichkeitsprüfung. (frei; DER STANDARD, Printausgabe, 03.12.2002)

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    grafik: der standard

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