"Projiziertes Land" Österreich

27. Juli 2004, 12:21
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Wien - Unter dem Titel "Projiziertes Land" zeigt das Filmarchiv Austria ab Freitag, den 6.Dezember, bis zum 8. Jänner im Wiener Metro Kino Österreich-Bilder im internationalen Kino: "Wunsch- und Trugbilder, manchmal auch Zerrbilder, virtuelle Beschreibungen genauso wie Selbstbilder exilierter Filmkünstler in der Fremde", so eine Aussendung des Filmarchivs. Begleitend dazu findet am 6. Dezember ein Symposium über "Austrofaschismus im Film" statt, basierend auf der Analyse der "Wochenschau Österreich in Bild und Ton" (1933-38).

Raritäten

Die Retrospektive umfasst viele seltene, teilweise in Österreich erstmals aufgeführte Spielfilme, v.a. auch aus Zentral- und Osteuropa. Unter den 37 gezeigten Arbeiten finden sich etwa der verschollen geglaubte Ernst Neubach-Film "Le signal Rouge" mit Erich von Stroheim (F 1948), "Futures Vedettes" mit Brigitte Bardot als "Wiener Mädel" (F 1955), Hitchcocks Wien-Persiflage "Waltzes from Vienna" (GB 1933), Miklos Jancsos Abrechnung mit dem Habsburg-Mythos "Die große Orgie" (I/YU 1975) oder Nicolas Roegs "Bad Timing" mit Art Garfunkel in der Hauptrolle und Musik von Tom Waits, angesiedelt im Wien der 70er Jahre (GB 1979).

Ein weiteres Highlight ist Emil Edwin Reinerts "Abenteuer in Wien" (Ö/USA 1952), ein fast vergessenes Meisterwerk des Film noir. Dazu kommen die Klischee-Maschine "The Sound of Music", "Stay Hungry" (Mister Universum, USA 1976) mit Arnold Schwarzenegger und das japanische Kuriosum "Ginrei no ohja" (König der silbernen Berge, 1960) mit Toni Sailer als in Japan untergetauchtem österreichischen Olympiastar.

Kuratiert wird die Schau vom Filmwissenschafter Franz Grafl, produziert vom Institut Pitanga in Kooperation mit dem Filmarchiv Austria.

Gesichtete Wochenschauen

Als Vorprogramm laufen einzelne Ausgaben der Wochenschau "Österreich in Bild und Ton" (ÖBUT). Das Filmarchiv hat die größtenteils noch erhaltenen Bestände dieser Wochenschau dokumentiert und wissenschaftlich aufgearbeitet und präsentiert die Ergebnisse im Rahmen des Symposiums "Austrofaschismus im Film". Es diskutieren Filmwissenschafter, Historiker und Politologen wie Robert Buchschwenter, Gernot Heiss, Kay Hoffmann, Vrääth Öhner und Emmerich Talos.

Außerdem stellt das Filmarchiv seine neue Publikation "Österreich in Bild und Ton" sowie die begleitend dazu produzierten Jahresvideos 1933 und 1934 vor.

Kaiserpanorama

Außerdem ist im Foyer des Metro Kinos eine Ausstellung von Film-Stills aus Sternbergs verschollenem Film "The Case of Lena Smith" zu sehen, ein Tribut an das Wien der Jahrhundertwende. Und schließlich erlaubt das vom Filmarchiv rekonstruierte "Kaiserpanorama" - eine Art Bilderkarussell in einem hölzernen Guckkasten aus dem 19. Jahrhundert, dessen bewegte Landschaftsaufnahmen das Gefühl einer imaginären Reise erzeugen - fotografische Innenansichten der vorletzten Jahrhundertwende.

Die Filme werden größtenteils in Originalfassung mit Untertiteln gezeigt. Bei nicht untertitelten Kopien erfolgt bei der Aufführung eine Simultan-Übersetzung. Stummfilme werden von Oskar Aichinger und Gerhard Gruber am Flügel begleitet. (APA)

Retrospektive "Projiziertes Land" von 6.12. bis 8.1. 2003 im Metro Kino,

Symposium Austrofaschismus im Film am 6.12., 9-17.30 Uhr im Metro Kino,
Tel. 512 18 03

Link

Filmarchiv.at

Pitanga.at/image

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  • "Black Out": Theresa Russell und Art Garfunkel im bleiernen 70er-Wien (6.12., 21.12., 7.1.)
    foto: filmarchiv

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    (6.12., 21.12., 7.1.)

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