Arbeitslosigkeit größte Sorge

2. Dezember 2002, 13:40
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STANDARD-Umfrage über wichtigsten Aufgaben einer neuen Regierung: An zweiter Stelle Sicherung der Pensionen - Mit Grafik

Linz - Eine Woche nach der Nationalratswahl haben die Österreicher die Prioritäten der Politik wieder neu geordnet: Zwar ist die Fortführung der begonnenen Reformen für 80 Prozent der Befragten immer noch wichtig, aber nur 32 Prozent sehen das Thema als "sehr wichtig" an - im Detail sind das vor allem bekennende ÖVP-Wähler.

Die Senkung der Arbeitslosigkeit ist dagegen das bei weitem wichtigste Thema, von 71 Prozent der Befragten wird ihm die höchste Priorität zugeordnet. Es sind vor allem junge und weibliche Befragte, die hier besonders oft sagen, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wäre "sehr wichtig".

An zweiter Stelle steht die Pensionssicherung mit 61 Prozent in der höchsten und weiteren 34 Prozent in der zweiten Prioritätsstufe - hier sind es Frauen und besonders Menschen über 50, die in diesem Bereich besonders oft mit "sehr wichtig" antworten. Auf dem dritten Platz steht bereits mit sehr deutlichem Abstand die Steuersenkung für untere Einkommensschichten: Sie wird zwar von jeder zweiten Frau, aber nur von jedem dritten Mann mit höchster Priorität ausgestattet.

Für Akademiker und Grünen-Wähler hat die Steuersenkung weniger Bedeutung. Eine Ökologisierung des Steuersystems versehen nur 16 Prozent mit höchster Wichtigkeit, es ist ein Thema, das vor allem Grüne anspricht. Insgesamt 28 Prozent halten von der Steuerreform wenig. Ebenfalls wenig Rückhalt in der Bevölkerung hat eine Senkung der Lohnnebenkosten.

Eurofighter-Kauf

DER STANDARD ließ vom Linzer market-Institut auch erheben, welche zentralen Punkte ihrer Pläne die Kanzlerpartei ÖVP durchsetzen wird können. "Die ÖVP hat sich ja klar dafür ausgesprochen, dass die für das Bundesheer ausgewählten Eurofighter auch tatsächlich gekauft werden. Was meinen Sie: Wird das Bundesheer nun wie geplant Abfangjäger bekommen oder wird der Kauf von Abfangjägern nicht durchgesetzt werden?" 57 Prozent der Befragten (und zwar quer durch alle Bevölkerungsgruppen und Parteien) gehen davon aus, dass das Bundesheer Abfangjäger bekommt, nur 34 Prozent glauben das ausdrücklich nicht, acht Prozent machen keine Angaben.

Schwieriger dürfte die Osterweiterung werden. "Die ÖVP hat sich ja dafür stark gemacht, dass die EU ohne weitere Verzögerungen die neuen Mitglieder aufnimmt - wird eine ÖVP-Regierung die EU-Osterweiterung ohne innenpolitische Widerstände durchsetzen können oder wird eine ÖVP-Regierung auf Schwierigkeiten stoßen, die EU-Osterweiterung bei den Österreichern durchzusetzen?" Hier sagen 50 Prozent der Befragten, dass es da noch innenpolitische Probleme geben würde. Nur 44 Prozent rechnen mit keinen gröberen Widerständen - Männer sind zuversichtlicher als Frauen, die höhere Bildungsschicht zuversichtlicher als Menschen mit Pflichtschulabschluss.

Und: Die deklarierten Grünen gehen in besonders hohem Maß davon aus, dass die Osterweiterung problemlos verlaufen wird, während die Wähler der Volkspartei da besonders stark zweifeln.(Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 2.12.2002)

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    grafik: standard

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  • Herr und Frau Österreicher erwarten sich von der nächsten Regierung vor allem Maßnahmen für eine Reduktion der Arbeitslosigkeit.
    montage: derstandard.at (foto: standard/cremer)

    Herr und Frau Österreicher erwarten sich von der nächsten Regierung vor allem Maßnahmen für eine Reduktion der Arbeitslosigkeit.

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