Kreditspekulation mit Yen und Franken

1. Dezember 2002, 21:08
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Fremdwährungskredite sind stark in Mode - Welche Auswirkungen haben aktuelle Währungsprognosen auf die Fremdkreditinhaber?

Wien - Schon mehr als 80 Prozent aller Immoblientransaktionen werden in Österreich nicht in Euro, sondern in japanischen Yen, Schweizer Franken und zuletzt auch, bedingt durch den rapiden Zinsrutsch, in US-Dollar finanziert.

Attraktiv machen den Fremdwährungskredit nicht nur die günstigen Zinsniveaus anderer Währungen - so kann man den Yen bei entsprechender Bonität durchaus zu einem Zinssatz um die eineinhalb Prozent inklusive Bankaufschlag bekommen -, sondern auch die Chance, den Kredit durch Währungsgewinne zu verringern.

Kreditnehmer konnten punkten

Hier haben Kreditnehmer in den letzten Monaten kräftig gepunktet: Bedingt durch den wieder erstarkten Euro konnte man beim Yen allein seit dem Sommer mehr als sechs Prozent "verdienen"; beim US-Dollar waren es im gleichen Zeitraum fast vier Prozent. Nur beim Franken ging die Rechnung (noch) nicht auf: Euroflucht und Kriegsängste hatten die Schweizer Währung in neue Höhen getrieben. Doch wie sieht die Zukunft für Fremdwährungskreditnehmer aus? Durchaus rosig, meinen Experten.

So sieht man bei BNP Paribas den Euro bis ins dritte Quartal 2003 weiter knapp über der Parität zum US-Dollar, während der Yen im gleichen Zeitraum leicht stärker wird und sich bei 119 zum Euro einpendeln soll. "Dabei kann es allerdings kurzfristig durchaus stärkere Schwankungen geben", meint BNP-Chefstratege Hans Redeker. "Aktuell warnen wir vor einem Yen-Anstieg, der sogar bis auf 116,70 gehen könnte."

Charttechnische Reaktionen

Hintergrund dafür ist laut Redeker neben rein charttechnischen Reaktionen vor allem die bereits im Dezember beginnende Repatriierung von Vermögen japanischer Unternehmen, die damit ihre Bilanzen "auffetten". "Das wird wahrscheinlich bis Ende März 2003 anhalten", erläutert Redeker.

Der Franken sollte sich, so ist man bei BNP Paribas überzeugt, nach einem Ende der Irak-Krise dann endlich wieder seinem Korridor um die 1,54 pro Euro nähern. In der Währungsabteilung der Commerzbank hält man kurzfristige Einbrüche des Euro in nächster Zeit für möglich: "Der Boden sollte aber bei 0,98 erreicht sein." Zum Yen, so die Commerzbank-Experten, hat der Euro ein Dreieinhalbjahreshoch erreicht: "Der Korridor liegt jetzt zwischen 119 und 125 zum Euro." Für den Franken sieht man kurzfristig wenig Bewegung voraus.

Euro-Bullen

Clifford Bennett vom US-Währungsbroker FxMAX glaubt, dass der Euro zum US-Dollar weiter im Aufwärtstrend ist ("bis zum Sommer 2003 sind Kurse bis zu 1,17 pro Euro drin"), und empfiehlt, Dollar gegen Euro zu verkaufen. Dieser Ansicht sind auch zwei weitere Investmenthäuser, nämlich Rockefeller Treasury Services und die neuseeländische K.B. Advisory. Beide geben starke Kaufempfehlungen für den Euro ab; Rockefeller rät außerdem, Yen zu verkaufen.

Mittelfristig bleibt der Schweizer Franken weiter unberechenbar, meint die Wiener Fremdwährungsexpertin Birgitta Svoboda: "Die Gefahr eines Golfkriegs ist trotz der leichten Abschwächung des Franken noch immer vorhanden. Kommt es dazu, wird das Kursniveau 1,44 Franken pro Euro getestet," erläutert Svoboda. Die Geschäftsführerin des Fremdwährungsmanagement-Spezialhauses fms rät Fremdwährungskredit-Interessenten von einem Neueinstieg in den Franken vorerst ab.

Yen weiter im Abwärtstrend

"Wer bereits in Fremdwährungen verschuldet ist, könnte je eine Hälfte in Yen und eine Hälfte in Franken umschichten." Der Yen, so die Fachfrau, befindet sich weiter im Abwärtstrend. Sie glaubt nicht an einen weiteren kurzfristigen Anstieg des Euro zum US-Dollar: "Zwar sprechen die höheren Zinsen in Europa für den Euro - das hält sich aber mit den schwachen Konjunkturaussichten in Deutschland die Waage."

In den nächsten Wochen werden die aktuellen US-Wirtschaftsdaten das Zünglein an der Waage sein, meint Birgitta Svoboda: "Der Markt rechnet mit guten Aussichten für die USA und somit mit einer neuen Dollarstärke."(Reinhard Kremer, Der Standard, Printausgabe, 02.12.2002)

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