Braucht die Welt den "Tablet PC"?

1. Dezember 2002, 12:15
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Mit dem Tablett zu neuen Erfahrungen - Ein Bericht

Weg mit der Tastatur, raus mit der Maus! Der "Tablet PC" bietet ein völlig neues Gefühl, wenn man mit dem Computer unterwegs ist. Anstatt das Notebook mühsam auf den Knien zu balancieren, hat man es nur noch mit einer Fläche und einem kleinen Stift zu tun. Damit werden direkt auf dem Bildschirm Programme gestartet, Fenster geschlossen und Texte geschrieben - handschriftlich wie auf einem Notizblock.

Zu den ersten Geräten der neuen Computergattung gehört der TravelMate C100 von Acer. Eigentlich ein besonders kleines und leichtes Notebook, wird aus dem TravelMate mit wenigen Handgriffen ein Tablet PC: Dazu wird das 10,4-Zoll-Display aus seiner seitlichen Halterung gelöst, um 180 Grad nach links geschwenkt und auf die Tastatur geklappt. Aus dem Bildschirmrand rechts oben zieht man jetzt den winzigen Stift heraus und bedient die Windows-Oberfläche so, wie man das mit der Maus gewohnt ist. Der LCD-Monitor enthält eine Technik, die über die Fähigkeiten eines berührungsempfindlichen Bildschirms (Touchscreen) hinaus geht. So erkennt der Bildschirm die Kunststoffspitze des Stifts schon in einem Abstand von einem Zentimeter.

Griff zum virtuellen Radiergummi

Zur vollen Form läuft der Tablet PC in Verbindung mit den speziell dafür entwickelten Programmen auf, die zum Teil schon in der Windows XP Tablet PC Edition enthalten sind. So kann man im Windows Journal einfach mit dem Stift auf dem Bildschirm schreiben. Das Programm hält die Handschrift auf der karierten Notizblock-Oberfläche fest. Einen Textmarker in verschiedenen Farben gibt es auch dazu. Wenn man ein Wort löschen will, greift man einfach zum virtuellen Radiergummi.

Fremd

Das Schreiben auf dem glatten Display mutet anfangs etwas fremd an. Aber wenn man erst mal die richtige Strichstärke gefunden hat, geht das Schreiben flott von der Hand. Wenn die Seite voll ist, kann man neben dem Bildschirm einen Kipp-Schalter für das Scrollen drücken. Das fertige Werk - der handgeschriebene Text kann auch mit frei gezeichneten Grafiken ergänzt werden - lässt sich in einem speziellen Notizformat (Datei-Endung jnt), als Web-Seite oder als Grafik (Tiff-Format) speichern. Die Handschriftenerkennung des Programms ist aber auch in der Lage, die persönliche Schrift in Computertext umzuwandeln. Microsoft gibt dafür eine Erkennungsquote von 95 Prozent an - etwas Mühe sollte man sich allerdings schon beim Schreiben geben. Alternativ kann auch eine Bildschirmtastatur eingeblendet werden, auf der man die Buchstaben einzeln ansteuern kann.

Notizblock-Gefühl

Das richtige Notizblock-Gefühl kommt aber erst auf, wenn der Bildschirm nicht quer, sondern im Hochformat gehalten wird. Um die Bildschirmlage zu ändern, muss die allgemeine Funktionstaste zusammen mit der Taste "Nach oben scrollen" gedrückt werden. Nach kurzer Zeit ändern sich die Fenster - andere Programme werden jetzt ebenfalls bildschirmfüllend im Hochformat gespeichert.

Intuitive Bedienung

Auf besonders intuitive Bedienung ausgerichtet sind auch die anderen Programme mit Handschriftunterstützung. In Microsoft Word oder Excel können Texte und Tabellen mit handschriftlichen Bemerkungen versehen werden. An Powerpoint-Präsentationen können Manager im wahren Sinne des Wortes noch letzte Hand anlegen oder während einer Vorführung ihr zeichnerisches Geschick demonstrieren. Das kleine Programm "Kurznotizen" hält schnell Termine oder Ideen fest - auf Wunsch auch kurze Sprachnotizen, bei denen das eingebaute Mikrofon zum Einsatz kommt - und zeigt sie als "Sticky Note" auf dem Desktop an.

Technische Daten

Die Hardware des Acer TravelMate ist auf den professionellen Einsatz von Büroanwendungen ausgelegt: Mit einem Arbeitsspeicher von 256 MB und einer 30-GB-Festplatte gibt das Testgerät genügend Spielraum für den intensiven Umgang mit Dokumenten. Die geringe Größe - der Tablet PC von Acer ist mit einer Abmessung von 25,1 mal 20,8 Zentimetern kleiner als ein Din-A4-Blatt - wird mit dem Verzicht auf Disketten- und CD-ROM-Laufwerk erkauft. Beide lassen sich als externes Gerät an die beiden USB-Schnittstellen andocken. Zusätzliche Erweiterungsmöglichkeiten bieten ein PC-Karten-Schacht, ein Firewire-Anschluss und eine Videobuchse für einen externen Monitor. Bereits integriert sind ein Modem, Ethernet und Wireless-LAN-Unterstützung - sobald ein Funknetz in der Nähe ist, leuchtet eine entsprechende Diode auf. Der Lithium-Ionen-Akku verspricht eine Laufzeit von dreieinhalb Stunden - bei intensiver Nutzung werden etwa zwei Stunden erreicht.

Saftiger Preis

Verkauft wird der Acer TravelMate C100 zu einem Preis von rund 2.800 Euro. Damit richtet sich der Tablet PC zunächst überwiegend an Firmenkunden. Auf mittlere Gesicht gesehen, dürften bei sinkenden Preisen aber auch Privatanwender Gefallen an der neuen PC-Erfahrung finden.(Von Peter Zschunke/AP)

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