Alarmierende Zahl von Selbstmorden in China

2. Dezember 2002, 19:50
posten

Inzwischen die häufigste Todesursache bei jungen Menschen

New York - Kurz Eröffnung des ersten staatlich finanzierten Suizid-Präventionszentrums in Peking zeichnete eine aktuelle Studie zum Thema Selbstmord in China ein düsteres Bild. China weist die höchste Selbstmordrate der Welt, speziell unter Frauen, auf. Es ist das einzige Land der Welt, in dem Frauen mehr Selbstmorde als Männer verüben und eines der wenigen, wo sich Suizide häufiger in ländlichen Regionen ereignen. Im Detail ist im ländlichen Raum Chinas die Selbstmordrate drei Mal so hoch wie in den Städten. Die Studienautoren machen den einfachen Erwerb von tödlichen Pestiziden und Rattengiften auf dem Land und fehlende psychologische Gesundheitsservices für die hohe Suizidrate verantwortlich.

Die Forscher um Michael Phillips, Psychiater am Huilongguan Hospital in Peking, untersuchten 519 Selbstmordfälle. 62 Prozent sind auf Konsum von Rattengift oder Pestiziden zurückzuführen, berichtet die New York Times unter Berufung auf das Fachblatt The Lancet. Weitere 20 Prozent erhängten sich, der Rest starb durch andere Methoden. Phillips schätzt, dass jährlich 287.000 Chinesen Selbstmord verüben, damit ist Suizid der fünft häufigste Todesgrund in China.

Stress und rasche Veränderungen

Zusätzlich zur ländlichen Suizid-Epidemie steigen auch die Selbstmordraten und Depressionen in Chinas Städten. Die Autoren machen Stress und rasche Veränderungen in der schnelllebigen Gesellschaft verantwortlich. Psychologische Bücher, die Anleitungen geben, wie diese Veränderungen erträglich werden, sind Bestseller. Ein anderes Problem ist die Stigmatisierung von Selbstmord und Depression in China. In der Vergangenheit behandelten zwar Konferenzen das Thema, allerdings hinter geschlossenen Türen. Nun Woche eröffnete das erste von der Stadt Peking finanzierte "Beiing Suicide Research and Prevention Center".

Dazu gehören Hotlines für Depressive, Kampagnen, die ein Bewusstsein für Depressionen schaffen sollen und ein verstärkter Einsatz von Psychiatern in zumindest einigen Notaufnahmen der Stadt. Der Grund: "Nach einem erfolglosen Selbstmordversuch suchen die Kandidaten Notaufnahmen auf und werden medizinisch betreut. Psychiater sind nicht vor Ort", sagte Phillips. Patienten werden ohne Therapie entlassen. Die ersten Maßnahmen in Städten sind auf dem Land aber noch Zukunftsmusik. Phillips drängt China, wenigstens einfache Vorsorgeeinrichtungen auf dem Land einzurichten und die Entwicklung von Netzwerken zur Hilfestellung zu fördern. (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.