Importierte Zierpflanzen größere Bedrohung als Gentech-Gewächse?

1. Dezember 2002, 18:00
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Forscher: "Das Erschütternde dabei ist die Tatsache, dass diese Pflanzen in jedem Gartenbau-Center käuflich zu erwerben sind"

London - Führende britische Wissenschaftler schätzen das Risiko durch importierte Zierpflanzen als gefährlicher ein als das durch genetischveränderte Pflanzen, berichtet BBC-Online am Freitag. Die britischen Forscher räumen aber ein, dass genetischveränderte Nutzpflanzen sehr wohl zum Schwund von wildlebenden Tieren und Pflanzen beitragen können und das Aussehen der Flora auf den britischen Inseln verändern würden.

Bedrohung durch Zierpflanzen - Beispiele

Lord Robert May, Präsident der Royal Society, der britischen Akademie der Wissenschaften meinte, dass die derzeit größte Bedrohung der Flora durch importierte Zierpflanzen stattfinde. Dazu zählen etwa die invasiven Wasserpflanzen australische Sumpf-Mauerpfeffer (Crassula helmsii), die seit 1956 auf über 2.000 verschiedenen Gewässern gefunden wurde. Auch der schwimmende Wassernabel (Hydrocotyle ranunculoides) ist in vielen stehenden Gewässern zu einem massiven Umweltproblem geworden.

"Das Erschütternde dabei ist die Tatsache, dass diese Pflanzen in jedem Gartenbau-Center käuflich zu erwerben sind", so Lord May. Der Präsident der Royal Society sieht dafür die Chance, dass die Gentech-Landwirtschaft Vorteile für die effiziente Ernte von Nutzpflanzen bringe. Kritiker werfen allerdings ein, dass bioinvasive Pflanzen und Gentechnologie zwei völlig verschiedene Dinge sind und sind der Meinung, dass die Debatte um eingeschleppte Zierpflanzen nur dazu dienen soll, der Bevölkerung Gentechnologie nahe zu bringen.

Gegenmeinung

Lord May stelle sich ebenso wie die meisten Forscher hinter die Gentech-Befürworter, argumentiert Adrian Bebb, Sprecher der Umweltorganisation "Friends of Earth". Es sei nicht die Frage, ob veränderte Gene aus den Gentech-Pflanzen in die Umwelt gelangen, sondern die Konsequenz einer solchen Verunreinigung. "Das sollte auch debattiert werden", so der Umweltschützer. Wenn Lord May die Beweise habe, dass die genveränderten Pflanzen keine Langzeit-Probleme für die Umwelt aufwerfen, dann solle er dies veröffentlichen. "Es ist aber nicht korrekt, wenn Umweltorganisationen, die als Fürsprecher der Öffentlichkeit auftreten und deren Ängste mitteilen, dafür verurteilt werden. Daran kann man erkennen, wie weltfremd Lord May eigentlich ist". (pte)

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    Crassula helmsii überwuchert einen Bach

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