Karel Reisz 1926-2002

2. Dezember 2002, 04:30
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Mitbegründer der neuen Welle des britischen Kinos

London - Karel Reisz wurde 1926 in Ostrava in der Tschechoslowakei geboren und kam 1938 als Flüchtling nach London. Er studierte zunächst Chemie in Cambridge und begann für die Filmzeitschrift Sequence zu schreiben, die maßgeblich am Entstehen der britischen Kinoerneuerungsbewegung, dem Free Cinema, beteiligt war.

Reisz' Spielfilmdebüt Saturday Night and Sunday Morning (1960), ein nüchternes Sozialdrama um einen Fabrikarbeiter, wurde zu einem der wichtigsten Filme der britischen Neuen Welle. Der junge Schauspieler, der darin seine erste Hauptrolle spielte, wirkte auch an Reisz' nächstem Film, Night Must Fall (1964), mit: Neben Albert Finney standen Vanessa Redgrave oder James Fox für den Regisseur vor der Kamera.

In den 70er-Jahren begann Reisz, der insgesamt nur knapp ein Dutzend Filme inszenierte, in den USA zu arbeiten. Mit dem pessimistischen Vietnam-Heimkehrer-Drama Who'll Stop The Rain/ Dog Soldiers mit Nick Nolte und Tuesday Weld drehte er dort einen seiner besten, mit der kunstvoll verschachtelten, tragischen Liebesgeschichte The French Lieutenant's Woman mit Meryl Streep und Jeremy Irons wohl einen seiner bekanntesten Filme.

Bereits seit mehreren Monaten war der Regisseur, der zuletzt für die BBC ein Samuel-Beckett-Drama adaptiert hatte, schwer krank. Am Montag starb Karel Reisz, wie jetzt bekannt wurde, im Beisein seiner Familie 76-jährig in einem Londoner Krankenhaus. (Isabella Reicher /DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2002)

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    Ein wichtiger Vertreter des britischen "Free Cinema": Filmregisseur Karel Reisz

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