Jazz CDs zwischen Unschuld, Trialog, elektronisches Krabbeln

18. August 2003, 11:48
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Neu erschienene Jazz-CDs von Caterina Valente, Keith Jarrett und Brandlmayr/ Siewert/ Williamson

CATERINA VALENTE
In New York
(Universal)
"This young lady ist swinging, you'd better swing too!" Mit diesen Worten wurde sie den Musikern vorgestellt, und das hat sie womöglich nicht sehr entspannt. Denn wie Caterina Valente so ins Orchester blickte, sah sie auch Musiker wie Jay Jay Johnson und Hank Jones als Teil des braven Kollektivs. Versierte Solisten also, die sich hier als Begleiter etwas verdienen mussten oder wollten - die Geschichte des Jazz ist ja voll von solchen Geschichten des Kompromisses, der zum Zwecke des Überlebens einzugehen ist. Wie auch immer. Es war Valentes erste Aufnahme im swingenden Bereich Marke USA, mit Arrangements von Sy Oliver, es war das Jahr 1957, und alles klang gut.

Diese helle, klare Stimme, mädchenhaft-unschuldig und doch zweifellos präsent - an sie ist zu erinnern. Auch an die Umgebung: Hier ist ein exzellenter Big-Band-Sound zu hören - mit einem Haufen hochkarätiger Ideen, die sich als munter-fetzige Kommentare um die singende Unschuld gruppieren, deren Ausstrahlung immer etwas Herzlich- Standhaftes hat.

KEITH JARRETT
Always Let Me Go
(ECM/Lotus)
Vom Solopfad ist Keith Jarrett längst abgekommen, das Trio ist mittlerweile seine inspirative Heimat. Im Trialog mit Garry Peacock (Bass) und Jack DeJohnette (Schlagzeug) schafft er es indes immer wieder, zu einer besonderen Intensität vorzudringen. Sie reicht hier von der Nervosität des freien, widerborstigen Spiels bis zur Beschaulichkeit malerischer Stimmungen, die vom wirklich subtilen Umgang mit Klängen zehren können. Man hört hier Jarretts Kompositionen und dabei auch, dass das Herz des Linien herzhaft Mitmurmelnden für den Bebop schlägt. Er vergräbt sich mitunter regelrecht in die Themen, variiert sie konsequent, indem er auf deren rhythmischem Charakter herumreitet. Qualitätssteigernd wirkt natürlich, dass Peacock und DeJohnette mit Jarrett schon ein ziemliches Weilchen zusammen und auch eigenwillige Jazzköpfe sind. Man plaudert auf gleichem, also hohem Niveau. Das gelingt oft am besten vor Publikum. Hier begegnete man ihm in Tokio, im Jahre 2001.

BRANDLMAYR/SIEWERT/WILLIAMSON
Highway My Friend
(hatology/harmonia mundi) Noch ein Trio, aber doch ganz anders an- und aufgelegt. Hier geht es um Poesie der Geräusche, feinste, kleinste Bewegungen und elektronisches Krabbeln. Martin Brandmayr (drums), Martin Sievert (Gitarre, Electronics) und Joe Williamson (Bass) lassen einen ganz eigenen Kosmos entstehen. Kauzig, aber alles andere als beliebig wirkt das. Atmosphärisch stark und präzise in Spannung gehalten. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.11.2002)

Von Ljubisa Tosic
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