"Stirb an einem anderen Tag": Der Troubleshooter als Doppel-Null

27. März 2005, 00:12
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"Stirb an einem anderen Tag", Teil zwanzig der nicht enden wollenden James-Bond-Serie, singt das Hohelied der Umwegrentabilität

Teil zwanzig der nicht enden wollenden James-Bond-Serie singt das Hohelied der Umwegrentabilität und bringt die neue Flexibilität auf den Punkt: "Stirb an einem anderen Tag" lautet das aktuelle Motto für den bewährtesten Agenten im Dienste Ihrer Majestät.


Wien - Aller Anfang ist Schwerarbeit, auch für Superagenten: Nachdem er sich zu Wasser und in der Luft hinter die feindlichen Linien vorgearbeitet hat, muss James Bond (Pierce Brosnan) erst einmal einige gewaltige Explosionen, eine wilde Verfolgungsjagd auf Luftkissenfahrzeugen und etwas Nahkampf überstehen.

Weil das nicht gut endet, ist der strahlende Held vierzehn Monate später denn auch kaum wieder zu erkennen - mit langem Haarfilz und Rauschebart, gezeichnet von Gefängnisaufenthalt und Folter. Für Rehabilitation bleibt dennoch keine Zeit - zumal, wenn man der Welt berühmtester Troubleshooter ist, dem die Vorgesetzten bei Bedarf stets die Rückendeckung entziehen - und auch weit existenziellere Dinge verlangen Aufschub: Stirb an einem anderen Tag/ Die Another Day. Schöner könnte man den herrschenden Anspruch an den flexiblen Arbeitnehmer wohl kaum formulieren.

"Sigmund Freud - analyse this!", singt Madonna im Titelsong, der zu einer der hässlichsten, digital animierten Bond-Titelsequenzen der Filmgeschichte abläuft. Nun muss man es mit dem Theorieüberbau allerdings nicht übertreiben, zu analysieren gibt es hier nicht viel. Hauptsächlich macht das alles ökonomisch Sinn, und dass die Sängerin höchstselbst dann auch eine kleine Rolle spielen darf, ist der Logik des Wirtschaftsstandorts 007 und dessen hohem Synergieeffekt-Faktor nur angemessen:

Der Werbeträger

Product Placement heißt das Schlüsselwort. Ein Großteil der Ausgaben für Produktion und Vermarktung des Films (rund 142 Millionen US-Dollar) wurde bereits im Vorfeld durch die Werbepartner wieder eingebracht. Und die lassen es sich einiges kosten - laut Schätzungen von Variety rund 100 Millionen Dollar -, damit der Agent mit der Doppel-Null auf ihre Uhr sieht, ihren Anzug in ihren Koffer packt und dann im Kofferraum ihres Autos verstaut.

Der Umstand, dass allein in den USA am vergangenen Startwochenende mit rund 47 Millionen Dollar Einnahmen ein Bond-Rekord gebrochen wurde, geht denn auch weniger aufs Konto von Regisseur Lee Tamahori, sondern vor allem auf jenes der "Marke Bond" und der Marketingstrategen. Hier wird in erster Linie (mit Erfolg) der Konsument im Zuschauer angesprochen, frei nach der Aussage des Philosophen Gilles Deleuze: "Marketing heißt das Instrument der neuen sozialen Kontrolle, das die neue Gattung unserer Herren prägt."

Allzu viel kann man bei den Summen, die hier auf dem Spiel stehen, nämlich nicht riskieren - dass der Film vor diesem Hintergrund primär über Wiedererkennung und Zitate funktionieren muss, ist daher selbstverständlich und für die Bond-Serie ohnehin nichts Neues.

Die üblichen Erzählbausteine (der Schurke mit Anspruch auf Weltherrschaft, die halbnackten, aber in ihren Absichten dennoch undurchsichtigen weiblichen 007-Sidekicks, exotische Schauplätze, das Ensemble "M", "Q" und Moneypenny etc.) werden erwartungsgemäß auch in Die Another Day variiert:

Der Film beginnt in einer nordkoreanischen Militärbasis, führt über Hongkong nach Kuba, heim nach London und von dort nach Island. 007 kämpft gegen abtrünnige nordkoreanische Militärs, die mithilfe eines Riesenlasers namens Ikarus den Globus kontrollieren wollen. Zur Seite gestellt bekommt er unter anderem Jinx (Hale Berry), deren erster Auftritt im Film wiederum als Hommage an Ursula Andress' legendäre Bikini-Szene angelegt ist, in der diese vor vierzig Jahren als Honey Ryder in Dr. No, dem ersten Bond-Film, auftauchte.

Flexibel sein, heißt die Devise. Und dabei wertbeständig bleiben. Dieser Spagat macht auch James Bond zu schaffen. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.11.2002)

Von
Isabella Reicher

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jamesbond.com

  • Dieser Mann macht Werbung - für seinen Anzug, seine Uhr und seinen Drink: Pierce Brosnan muss in "Stirb an einem anderen Tag" ...
    foto: centfox

    Dieser Mann macht Werbung - für seinen Anzug, seine Uhr und seinen Drink: Pierce Brosnan muss in "Stirb an einem anderen Tag" ...

  • ... als James Bond unter anderem in einem isländischen Eishotel Haltung bewahren, ...
    forto: centfox

    ... als James Bond unter anderem in einem isländischen Eishotel Haltung bewahren, ...

  • ...  am Steuer eines Hoovercrafts, ...
    foto: centfox

    ... am Steuer eines Hoovercrafts, ...

  • ... oder wenn der traditionelle Catfight der Sidekicks ausbricht.
    foto: centfox

    ... oder wenn der traditionelle Catfight der Sidekicks ausbricht.

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