"Höchste Zeit, dass Unternehmer aktiv werden"

1. Juli 2004, 11:19
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Chef der Raiffeisen-Versicherung warnt: Heimische Betriebe warten noch immer mit Beitrittsverträgen zu

Salzburg - Erstaunlich wenige österreichische Unternehmer hätten bisher einen Beitrittsvertrag mit den Mitarbeitervorsorgekassen für die "Abfertigung Neu" abgeschlossen, erklärte am Dienstag, Christian Sedlnitzky, Chef der österreichischen Raiffeisen-Versicherung, vor Journalisten in Salzburg. Mit einer hundertprozentigen Kapital- und Verzinsungsgarantie für die ersten drei Jahre will die Österreichische Vorsorgekasse AG (ÖVK) der Raiffeisen unter den acht Mitkonkurrenten die Vorreiterrolle übernehmen.

"Es ist höchste Zeit, dass die Unternehmer aktiv werden", warnte Sedlnitzky. Obwohl das neue Gesetz bereits am ersten Jänner 2003 in Kraft trete und über drei Millionen Arbeitnehmer die "Abfertigung Neu" in Anspruch nehmen könnten, gehe der Informationsstand "äußerst schleppend vor sich". Mit den Vorzügen des "erstklassigen ÖVK-Pakets", so Sedlnitzky, buhlt Raiffeisen um ihre Kunden und will mit einer Eigenkapitalausstattung von 5,5 Mio. Euro für höchste Sicherheit garantieren.

Dreijährige Basis-Zinsgarantie

"Wir bieten als einzige Mitarbeitervorsorgekasse eine dreijährige Basis-Zinsgarantie. Ein höherer Ertrag, der bei einem etwas besseren Marktumfeld durchaus erzielbar ist, kommt natürlich auch den Kunden zu Gute", betonte der Raiffeisen-Versicherungschef. Derzeit hätten österreichweit nur etwa 300 Unternehmer bei der Raiffeisen "ihre Hausaufgaben gemacht".

Da die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Jahren nicht verlässlich eingeschätzt werden könne, würden sich aus der Zinsgarantie viele Vorteile für den Kunden ergeben. Hans Schinwald, Direktor des Raiffeisenverbandes Salzburg, strich die "absolut konservative Veranlagung" der verwalteten Gelder heraus. Es würden vorrangig nationale und internationale Anleihen, Investmentfonds, Festgeldveranlagungen bei erstklassigen inländischen Banken sowie Darlehen an Bund und Bundesländer herangezogen. Aktien seien derzeit tabu, ihr Anteil werde auch in Zukunft zehn Prozent nicht übersteigen.

Jobwechsel attraktiver

In Salzburg sollten 20.000 Unternehmen und 213.000 Beschäftigte ertragreich vorsorgen, betonte Schinwald. Da das neue Gesetz auch den Jobwechsel attraktiver mache und es damit zu kürzeren Beschäftigungsverhältnissen komme, so die beiden Bankenmanager, werde es bereits im ersten Gesetzesjahr zwischen 30.000 und 40.000 Anspruchsberechtigte allein im Bundesland Salzburg geben. Mit 156 Bankangestellten werde Raiffeisen in der Beratung und Betreuung ihrer Kunden Mitverantwortung tragen. In Salzburg strebe man einen Marktanteil von 40 bis 50 Prozent an, in ganz Österreich ca. 20 Prozent.

Sedlnitzky rechnet, dass von den derzeit neun Vorsorgekassen in Österreich bald nur noch vier bis fünf Kassen übrig bleiben würden. Die ÖVK (Gründungsgesellschafter sind die Raiffeisen Bankengruppe mit 65 Prozent, die UNIQA- Versicherungen AG mit 25 Prozent und die ÖPAG Pensionskassen AG mit zehn Prozent) verdiene sich "auch keine goldenen Löffel daran". In Zukunft werde es auch nicht nicht mehr möglich sein, die Abfertigungsgelder nach drei Jahren "cash" herausnehmen zu können, prophezeite Sedlnitzky. (APA)

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    foto: standard/semotan
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