Zwei Österreicherinnen in Stuttgart

2. September 2004, 14:17
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Beim besten, tollsten und wichtigsten Hallenturnier der Welt in Stuttgart versuchten auch zwei Österreicherinnen ihr Glück – Tatjana Freytag von Loringhoven und Nina Stadlinger. Die beiden jungen Damen schlugen sich höchst respektabel.

Vor ausverkauftem Haus (rund 7.700 Zuschauern) bewies Ludger Beerbaum beim mit 98.000 EUR dotierten Großen Preis von Stuttgart einmal mehr, warum er die Nummer eins in der Welt ist. In der Siegerrunde, in der die Strafpunkte der vorhergegangenen beidem Umläufen übernommen wurden, unterbot der Europameister mit seinem EM-Pferd Gladdys (0/36,08) als letzter Starter der Siegerrunde die Zeit des US-Amerikaners Peter Wylde noch einmal um eine Sekunde (0/37,09). Platz drei ging an den französischen Mannschafts-Weltmeister von Jerez Gilles Bertran de Balanda mit Crocus Graverie (0/38,63), Rang vier holte Vorjahressieger Michael Whitaker (GBR) und Handel (0/38,78). Insgesamt waren 18 der zwanzig Besten der Weltrangliste in Stuttgart am Start, was ebenfalls einmalig sein dürfte.

Tapfere Tatjana

Bei diesem First-Class-Starterfeld hatte es die einzige österreichische Teilnehmerin Tatiana Freytag von Loringhoven natürlich schwer. Die junge Österreicherin, die sich bereits bei den Weltreiterspielen in Jerez hervorragend in Szene gesetzt hatte, verstand es auch in Stuttgart durch stilistisch sehr schöne Ritte zu gefallen. Mit ihrem Nachwuchspferd Carina konnte sich die BWL-Studentin sogar in einer von Lars Nieberg gewonnenen Springprüfung für das Stechen qualifizieren, wo sie allerdings zwölf Strafpunkte hatte und im erlesenen Kreis Neunte wurde. Im Ladies German Master, das von Meredith Michaels-Beerbaum mit Donnerlittchen gewonnen wurde, kam Tatiana Freytag von Loringhoven mit Pialotta nach insgesamt zwei Abwürfen in den beiden Umläufen auf Platz acht.
Den Titel im German Master der Springreiter sicherten sich nach 1999 zum zweiten Marcus Ehning und For Pleasure nach zwei Qualifikationen und einem Finale mit Stechen. Mit 31,25 Sekunden deklassierte der deutsche Mannschafts-Olympiasieger von Sydney und amtierende Deutsche Meister förmlich die Konkurrenz. Zweiter wurde Gilles Bertran de Blanda mit Crocus Graverie, Dritter Toni Hassmann und Goldika, die vier Strafpunkte im Stechen (4/32,89) hatten.

Triumph für Lisa Wilcox

Einen grandiosen Sieg feierte die in Cappeln in Oldenburg lebende und für das Gestüt Vorwerk arbeitende US-Amerikanerin Lisa Wilcox auf dem Oldenburger Zuchthengst Relevant im Yorn Fashion German Master der Dressurreiter. Mit Höchstbewertungen bis zur 10 auf der zehnteiligen Bewertungsskala für zum Teil lehrbuchhaft ausgeführte Lektionen, so für die Piaffe, und 77,84 Prozent der möglichen Gesamtpunktzahl nahm die Fünfte der Dressur-WM in Jerez Revanche und ließ die deutschen Weltmeister Nadine Capellmann und Farbenfroh (5./70,88) ebenso hinter sich wie die Vize-Weltmeister aus Spanien, Beatriz Ferrer-Salat und Beauvalais (2./75,00). Nadine Capellmann war als klare Favoritin angetreten, doch ihr immer wieder sensibler Farbenfroh ließ sich mehrfach ablenken und zeigte Widerstand gegen seine Reiterin. Letztendlich gelang es ihr dennoch den Ritt mit einigen Höhepunkten in der Schlußphase fortzusetzen und kam dadurch noch auf Platz fünf. Eine ihrer besten Ritte zeigte auch die im baden-württembergischen Münchingen lebende Dänin Lone Jörgensen mit Kennedy und sicherte sich gerechtfertigter Weise Platz drei (73,64). Für ihren Sieg erhielt Lisa Wilcox 7.200 EUR der 30.000 EUR Gesamtdotierung. Bereits im Grand Prix war Wilcox als Zweitplazierte (75,02) Nadine Capellmann (77,76) sehr nahe gekommen, die aber einheitlich von allen fünf Richtern auf Platz eins gesetzt worden war. Platz drei im Grand Prix ging an die als stärkste Herausforderin angetretene, spanische WM-Vize Beatriz Ferrer-Salat. (74,32).

Kür-Sieg für Klimke

Frischen Wind gab es auch in der Kür-Tour. Innerhalb einer Woche siegten Ingrid Klimke und Nector v.d. Carelshof sowohl im Grand Prix als auch in der Grand Prix Kür bei den internationalen Turnieren in Berlin und Stuttgart. Im Herzog Carl-Preis, dem Finale der Stuttgarter Kür-r Tour, swingten sich Ingrid Klimke und der braune, belgische Wallach zu Love and Marriage in die Herzen der Zuschauer und der Richter. Die Tochter des 1999 verstorbenen Reiner Klimkes, die auch in der Vielseitigkeit zur Weltelite gehört, siegte mit 79,40 Prozentpunkten und einem deutlichen Abstand zum Zweitplazierten Hubertus Schmidt mit Wansuela Suerte (75,18). Platz drei ging an die Weltmeisterin Nadine Capellmann mit ihrem Grand-Prix-Nachwuchspferd Cockney (72,98). Für Ingrid Klimke war es der erste Start in der Stuttgarter Schleyer-Halle, "Ich war bei der Verabschiedung von Ahlerich meines Vaters in Stuttgart und war damals von dem Turnier total beeindruckt gewesen. Insofern freue ich mich sehr, daß ich in dieser tollen Halle reiten durfte."

Gelungenes Debüt von Nina Stadlinger

Ebenfalls ihr Debüt beim Stuttgart German Masters hatte Nina Stadlinger mit Egalitè geben. Die Österreicherin zeigte sowohl im Grand Prix als auch in der GP Kür zur Musik sehr harmonische, flüssige Vorstellungen. Mit 66 Prozentpunkten konnte sie sich auf Platz sieben im Grand Prix für die Musik-Kür qualifizieren. Es waren vor allen Dingen Kleinigkeiten wie eine zuviel vorwärts gerittene erste Piaffe oder eine etwas zu große Galop-Pirouette, die aber doppelt zählt, die wertvolle Punkte kosteten. In der Musik-Kür, in der eine akzentuiertere Musik wünschenswert wäre, konnte sich Nina Stadlinger noch um einen Rang auf Platz sechs verbessern (68,90).

Immer wieder Freund

Zum neunten Mal in ununterbrochener Reihenfolge seit der ersten Austragung dieses Titels heißt der Sieger im Schenker German Master der Viererzug-Fahrer Michael Freund. Als einziger der sechs hochkarätigen Starter blieb der Worldcup-Sieger der letzten Saison und Doppel-Weltmeister von 1994 sowohl im Umlauf als auch in der Siegerrunde strafpunktfrei und lieferte in der entscheidenden Runde auch die mit Abstand schnellste Zeit. Zweiter wurde der WM-Silbermedaillengewinner dieses Jahres Christoph Sandmann vor dem Vize-Mannschafts-Weltmeister Chester Weber aus den USA.

Neue Voltigier-Welt

Zum zweiten Mal war im Stuttgart German Masters auch der Karstadt German Master der Votigierer integriert und sorgte wie die Viererzug-Fahrer für überbordende Stimmung auf den Rängen. Der German Master ist die einzige wichtige Prüfung im Voltigieren, die als Pas de Deux ausgeschrieben ist. Im Teil eins und zwei der Prüfung müssen die beiden Mitglieder eines Paares als Einzel-Voltigierer eine Pflicht- und ihre Küraufgabe absolvieren, bevor im Teil drei am Sonntag morgen ein zweiminütiges Pas de Deux auf dem Rücken des Pferdes voltigiert wird. Eine großartige Sache für den Zuschauer, die noch abwechslungsreicher als das Einzelvoltigieren ist. Alle vier Paare erzählten eine Geschichte zu Pferde, die Sieger Kai Vorberg und Nicola Ströh versetzten die Zuschauer ins Raumschiff Enterprise, die zweitplazierten Jan Bayer und Nadia Zülow hatten eine noch ausdrucksvollere und künstlerisch höchst wertvolle Interpretation der Oper Carmen aufs Pferd gebracht.
Birgit Popp/Pferderevue

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    Tatjana Freytag von Loringhoven zeigte beim Stuttgarter Hallenturnier wieder ihr Können und schlug sich inmitten der Weltklasse tapfer!

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    Dressur-Staatsmeisterin Nina Stadlinger durfte ihr Stuttgart-Debüt mit Platz sechs in der Kür feiern!

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