Weiterbildung an der Uni: Überblick ist Knochenarbeit

2. Dezember 2002, 11:47
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Der Wildwuchs soll in den Griff bekommen werden - An der Uni Graz wird deshalb ein neues Weiterbildungszentrum eröffnet, und auch das Netzwerk AUCEN professionalisiert sich

Österreichs Unis legen in Sachen Weiterbildung zu: Marktführer ist nach wie vor die postgraduale Donau-Uni Krems, doch auch an anderen Unis steigt das Angebot an Seminaren und Lehrgängen. Allein die Zahl der Unilehrgänge hat sich seit 1998 verdreifacht (auf 362 im Jahr 2001); die Zahl der Weiterbildungsstudenten stieg von 5355 auf 7697. Inhaltlich sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt - geboten wird von Marktforschung über Kommunikative Theologie bis zum Unilehrgang "Funktionen und Dysfunktionen des Kauorgans" praktisch alles.

Universitätslehrgänge dienen vor allem der postgradualen Weiterbildung und müssen sich über Beiträge selbst finanzieren. Damit fungiert eigentlich der Markt als Kontrollinstanz - doch die Qualität ist unterschiedlich. Die meisten Lehrgänge sind auf höchstem Niveau, so Stefan Humpl, Autor des "Dualen Studienführers" der 3s Unternehmensberatung. Doch permanente Qualitätssicherung durch eine zentrale Akkreditierungsstelle für Unilehrgänge sei nötig, "sonst wird es weiter Wildwuchs geben".

Derzeit können sich Weiterbildungswillige einerseits an der Dauer des Lehrganges (von wenigen Tagen bis zu mehreren Semestern) orientieren. Und andererseits an den vergebenen Titeln oder Bezeichnungen: Bei 96 Lehrgängen dürfen sich die Absolventen "Akademischer . . ." nennen, 84 Lehrgänge verleihen den Titel MBA (Master of Business Administration) oder MAS (Master of Advanced Studies). Den MAS - eingeführt im Jahr 1999 - soll es aber ab 2006 nicht mehr geben. Allerdings dachte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer in letzter Zeit wieder über die Neueinführung nach.

Netz der Konkurrenten

Die Unübersichtlichkeit des Weiterbildungsangebotes an Österreichs Unis kritisiert Ada Pellert, Vizerektorin an der Karl-Franzens-Uni Graz und Sprecherin des universitären Weiterbildungsnetzwerkes AUCEN: "Einen Überblick zu bekommen ist Knochenarbeit." Hier und bei der Vernetzung will sich AUCEN positionieren: Ab 2003 sollen die Weiterbildungsangebote aller Unis online dargestellt werden. Ob aber die Unis - künftig Konkurrenten am Bildungsmarkt - sich dabei in die Karten schauen lassen, ist fraglich. Auf Ebene der einzelnen Unis funktioniert die Wissensbündelung aber zunehmend gut. Die Uni Graz eröffnet nächsten Dienstag, am 26. 11., ihr neues Weiterbildungszentrum. "Wir sind Ansprechpartner für Weiterbildungswillige, für Unternehmen, die ein maßgeschneidertes Angebot wünschen und natürlich unterstützen wir weiterhin die Wissenschafter bei der Entwicklung neuer Lehrgänge", sagt Andrea Waxenegger, Leiterin des Weiterbildungszentrums Graz.

An der WU Wien hat man mit dem Weiterbildungszentrum gute Erfahrungen gemacht - "doch das war erst ein Schritt in die richtige Richtung", meint Rektor Christoph Badelt. Der sich auszahlen könnte: "Kurzfristig muss man auch hier investieren, aber langfristig gesehen könnte Weiterbildung einen beachtlichen Betrag zum Uni-Budget liefern." Badelt schwebt dabei ein zweistelliger Prozentanteil vor - vorläufig aber ohne konkreten Zeitrahmen. Und das Finanzielle ist nicht das Wichtigste, betont auch Ada Pellert: "Die Unis müssen - gerade wenn sie sich ein Profil erarbeiten wollen - ihre Fühler in möglichst viele gesellschaftliche Felder strecken."

Kritische Klientel

Pellert sieht in der Weiterbildung eine große Chance für die Unis. Doch: "Die Konkurrenz ist groß und die Klientel kritisch." Hier muss sich die Uni exzellent organisieren - und da ist man noch am Anfang. Andererseits hat die Uni auch Trümpfe im Ärmel: Forschungsnähe, aktuelle Information, Reflexivität. Und den Titel bzw. die Bezeichnung "Akademischer . . .". (Heidi Weinhäupl/DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.11.2002)

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