Bundeshauptstadt nicht wirklich anders

26. August 2003, 18:51
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ÖVP gewinnt massiv, SPÖ und Grüne ebenfalls mit Zuwächsen - Absturz der Freiheitlichen mit Negativrekord im Simmering

Wien - "Wien ist anders" - Dieser Slogan trifft für das Ergebnis der Nationalratswahl am Sonntag nur bedingt zu. Zwar blieb die SPÖ nach einem Zuwachs von 6,51 Prozentpunkten mit 44,36 Prozent deutlich stärkste Partei, der klare Sieger heißt aber auch in der Bundeshauptstadt ÖVP. Sie konnte massiv zulegen und hält nach einem Plus von mehr als 13 Prozentpunkten jetzt bei 30,07 Prozent der Stimmen. Die Grünen durften sich ebenfalls über einen Aufwärtstrend im Ausmaß von 4,5 Prozentpunkten freuen. Abgestürzt in der Wählergunst ist die FPÖ, was sich in einem Minus von 16,61 Prozentpunkten ausdrückte.

In der Bundeshauptstadt waren 1,110.321 Personen wahlberechtigt, 795.336 sind tatsächlich zur Wahlurne geschritten. Gültig waren 787.387 Stimmen. Davon entfielen 349.306 (44,36 Prozent) auf die SPÖ, 64.212 (8,16 Prozent) auf die FPÖ, 236.778 (30,07 Prozent) auf die ÖVP und 116.797 (14,83) auf die Grünen. Die KPÖ erreichte 4.963 Stimmen (0,63 Prozent), das LIF 9.533 (1,21 Prozent), die Demokraten 1.981 (0,25 Prozent) und die Sozialistische Linkspartei SLP 3.817 (0,49 Prozent) der Stimmen.

Die ÖVP konnte den höchsten Gewinn in der Inneren Stadt verzeichnen, wo sie 16,14 Prozentpunkte zulegte. Hochburg der Grünen ist ein anderer Bezirk, nämlich Neubau. Dort schafften sie das, was ihnen auch bei der EU-Wahl 1999 und der Bezirksvertretungswahl im Vorjahr gelungen ist: Sie wurden mit 30,08 Prozent stimmenstärkste Partei. Das Plus im Vergleich zu 1999 betrug 9,94 Prozentpunkte.

Die Freiheitlichen haben in jenen Gebieten, wo sie einst ihre größten Erfolge feiern durften, am stärksten verloren - nämlich in den Arbeiterbezirken. Der Negativrekord mit minus 20,48 Prozentpunkten war aus Simmering, der Heimat von Ex-Klubchef Peter Westenthaler, zu vermelden.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) gab sich angesichts des Gesamt-Wahlresultats gefasst: "Wir haben vier Prozent gewonnen, aber es war halt leider zu wenig." Seinem Parteivorsitzenden stärkte er demonstrativ den Rücken. "Wer Alfred Gusenbauer in Frage stellen will, stellt auch mich in Frage." Häupl betonte, weiterhin eine Regierungsbeteiligung seiner Partei anzustreben. Er rechne jedoch fix mit einer schwarz-blauen Regierung.

VP-Landesobmann Alfred Finz freute sich, das "Maximum für Wien" erreicht zu haben: "Wolfgang Schüssel ist der Sieger des heutigen Tages, aber wir haben etwas dazu beigetragen." Finz hatte vor der Wahl bei so manchen Beobachtern für Staunen gesorgt, als er sein Wahlziel mit 25 Prozent angegeben hatte - ein Wert, den die ÖVP nunmehr um mehr als 5 Prozentpunkte überschritten hat.

Auch der Grüne Christoph Chorherr konstatierte - zumindest in Wien - ein "wirklich tolles Ergebnis". Es sei mehr als geglückt, die FPÖ zu überholen. Bei den Freiheitlichen versuchte man zumindest eine optimistische Deutung der Niederlage. "Ich glaube, nach diesem Tiefpunkt kann es nur mehr aufwärts gehen", sagte Landesparteichef Hilmar Kabas: "Wir haben von den Wählern die Rechnung für die Streitereien präsentiert bekommen." (APA)

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